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Sonntag, 21. August 2016

Bullshitfreie Kochbuchrezension: "Kick it vegan" - Lauber (Vol. 10)

Zurzeit warten bei mir vier Kochbücher darauf, rezensiert zu werden. Ilja Lauber's „Kick it vegan!“ wartet schon am längsten. Deswegen gehts dem Buch heute an den Kragen wird das Buch heute rezensiert. ;)
Hinweis bereits am Anfang: Das Buch habe ich mir auf die Empfehlung der Autorin hin besorgt (aber selber gekauft!) Ich bin auf Facebook mit der Autorin befreundet und stehe ab und an in Kontakt mit ihr. Ich denke nicht, dass das meine Rezension beeinflusst, aber möchte es der Transparenz halber bereits eingangs erwähnt haben.

Generelle Infos
"Kick it vegan! - Fit werden mit 130 Power-Rezepten"
Autorin: Ilja Lauber
Erscheinungsdatum: 2014 (1. Auflage)
Preis: ca. 20 Euro
Sprache: Deutsch
Verlag: Neunzehn

Grafik, Design und generelles Aussehen
„Kick it vegan!“ ist ein solider Wälzer. Im Format grösser als A4, fast zwei Zentimeter breit und mehr als ein Kilogramm schwer ist es nicht unbedingt für das Reisegepäck oder die Handtasche geeignet. In der heimischen Küche macht es sich aber trotz der Grösse und dem Hardcover gut. Die Seiten fallen vielleicht gerade dank ihrem Eigengewicht schön zur Seite, wenn man das Buch offen aufschlägt, selbst bei den ersten oder letzten paar Seiten. Das Kochbuch hat zudem ein Leseband, mit dem man die aktuelle Seite markieren kann – etwas, das bisher keines meiner Kochbücher hat. „Kick it vegan“ ist generell von hoher Qualität: Die Seiten sind alle im Hochglanz gedruckt, der Einband hält die Seiten nach intensiver Benutzung und einem Umzug immer noch fest, und hat zudem noch nicht einmal eine Delle. Das Preis-Leistungsverhältnis erfüllt „Kick it vegan“ in diesem Bereich auf jeden Fall.

Im Buch wird ein recht klares, unaufgeregtes Design verwendet. Der Titel des Rezepts ist in einer Farbe gehalten, zum Beispiel Braun oder Grün. Für einzelne weitere Elemente des Rezeptes wird dieselbe Farbe erneut verwendet, zb. für das Wort „Zutaten“, oder die Umrandung der Nährwerttabellen. Für ein Rezept wird eine Farbe gewählt. Es dominiert grün, orange, braun und blau. Der restliche Text ist in Schwarz gehalten. Diese einzelnen dezenten Farbtupfer machen das Lesen sehr angenehm, da sie auch eine visuelle Orientierung ermöglichen. Das Auge weiss, wohin es schauen muss, um die Zutatenliste zu erkennen. Die gewählte Schrift ist ohne viele Schnörkel und gut lesbar. Dies trägt zum generellen Eindruck von hoher Qualität bei.  

Ich habe nicht genau nachgezählt, aber ich schätze, dass mindestens drei Viertel der gut 130 Rezepte im Buch mit einer Farbfotografie des Gerichtes illustriert sind. Die Fotos sind grafisch und von der Präsentation der Gerichte her von hoher Qualität, aber auch Schlichtheit, was mich persönlich sehr anspricht. Das Endresultat, das Gericht, steht im Vordergrund, nicht irgendwelche essbaren Blüten, ausgepresste Zitronenhälften oder von oben herab fliegende gehackte Kräuter, wie es irgendwie zunehmend in Foodblogs und Kochbüchern der Fall ist. 
Fotos finden sich auch im inhaltlichen Teil. Wir dürfen die Autorin beim Sporteln bewundern. Man merkt, dass Lauber Fitness, Körperkraft und Ausdauer schätzt. Auf Nahaufnahmen ihrer Muskeln oder der obligate Bizeps-Flex-Klimmzug-Liegestütz-Fotoshoot nach Art gewisser anderer Fitness-Veganismus-Gurus wird glücklicherweise verzichtet. Das trägt zur unaufgeregten, unangeberischen, aber doch überzeugten Message bei, die das Buch vermitteln möchte.

Die Rezepte sind nach einem klaren Schema aufgebaut. Unter dem fett gedruckten Titel findet man die „Labels“. Lauber geht hierbei um einiges detaillierter vor als jedes Kochbuch, dass ich bisher in meinen Händen gehalten habe. Neben den relativ üblichen Labels wie „soyfree“ oder „glutenfree“ finden sich auch Labels wie „highKCAL“ oder „PROT“. Da sich das Kochbuch an eine ganze Reihe verschiedener Ess- und Sportkonzepte richtet, ist dies nachvollziehbar. Manche Rezepte haben mehr als sechs Labels, was teilweise etwas unübersichtlich wirkt. Für alle Rezepte gibt es allerdings neben dem alphabetischen Index auch noch einen Index mit tabellarischer Ausführung der Labels. So sieht man, welche Rezepte welche Kriterien erfüllen. 

Unterhalb der Labels findet sich eine kurze Ausführung der Autorin zum Rezept, beispielsweise woher die Inspiration für das Rezept stammte, oder eine Ausführung zu einer bestimmten Zutat. Die Ausführungen sind selten länger als zwei Sätze, geben den Rezepten aber auch einen angenehm persönlichen Touch. 
Danach folgt auch schon das konkrete Rezept. Grafisch werden dabei zwei Spalten verwendet: Eine schmalere, rechtsbündige Spalte auf der linken Seite gibt Informationen darüber, mit welchen Küchengeräten gearbeitet wird und wie viele Portionen am Ende erwartet werden können. Darunter findet sich die Auflistung der benötigten Zutaten. Falls ein Gericht mehrere Komponenten hat, werden die Zutaten der einzelnen Komponenten grafisch voneinander getrennt. Dies hilft, den Überblick zu bewahren. 
Unter den Zutaten findet sich eine tabellarische Auflistung der Nährwerte und die Angaben zu Fett, Kohlenhydrate und Eiweisse. Genial ist hierbei, dass hier nicht nur die Angaben pro Portion genannt werden, sondern auch pro gesamte Endmenge, und pro 100 Gramm! Das ist echt vernünftig, gerade auch, wenn man nicht eine ganze Portion essen will oder konnte, oder wenn noch ein Nachschlag auf dem Teller landet. Wer seine Kalorien und/oder Makros notiert, der dürfte sich an diesen Angaben sehr erfreuen.

Inhalt
„Kick it vegan“ ist nicht nur ein Kochbuch. Es nur als Kochbuch zu behandeln, wäre dementsprechend falsch, denn ein guter Drittel der Seiten behandeln nicht direkt Rezepte. In diesem Sinne ähnelt die Aufmachung des Buches ein wenig dem Buch von Alicia Silverstone, das ich hier bereits auch schon rezensiert habe. Der Unterschied? „Kick it vegan“ ist alles andere als Bullshit. 

Der Untertitel des Buches lautet „Fit werden mit 130 Power-Rezepten“. Wer nun annimmt, dass das Buch ein Hildmann-Diätabklatsch ist, der liegt ziemlich daneben, denn „Kick it vegan“ will nicht einfach nur Menschen ansprechen, die abnehmen wollen. „Kick it vegan“ will aber auch nicht einfach nur vegane Rezepte liefern. „Kick it vegan“ richtet sich auch nicht nur an Pro-Bodybuilder, die 150g Protein am Tag zu sich nehmen. „Kick it vegan“ möchte sich an eine breite Masse an Leuten wenden, die unterschiedliche Ziele haben. Es geht um den Körper und es geht darum, seinen Körper vegan zu ernähren. Das ist aber auch schon die einzige konsequente Konstante im Buch. Das Buch soll weniger dazu dienen, Ernährungspläne vorgefertigt zu liefern, sondern eher dazu, dass man sich seinen eigenen, auf seine eigene Situation angepassten Ernährungsplan herstellen kann. Und selbstverständlich kann das ganze Sport-Makro-Nährstoff-Fitness-Gesundheits-Getexte am Anfang auch übersprungen werden, um nur die Rezepte zu geniessen. In diesem Sinne ist das Buch also eine Art Setzkasten. Dies erklärt auch das ausführliche „Label“-System, das ich oben schon erwähnt habe. Die ganzen Labels dienen dazu, sich zurechtzufinden, welches Rezept sich nun für die Art Ernährung eignet, die einem gerade vorschwebt.
Du willst mehr Protein? Schau dir die HighPROT-Rezepte an. Du willst bulken/zunehmen? Such dir die HighKcal-Rezepte raus. Abnehmen? Wie wärs mit den LowKCAL- in Kombination mit den „fiber“-Rezepten? Du bist ein armer Student? Kombiniere „cheap“ mit HighKcal!

Ideen und Labelzuweisung für Personen, denen es schwer fällt, oft/viel zu essen (S. 103)
So ein Multitalent an Kochbuch braucht auch einiges an Einführung. Bevor Lauber mit den Rezepten im vierten Teil anfängt, führt sie in mehreren Kapiteln in drei Teilen aus, was die Idee hinter dem Buch ist, was sie so antreibt und wer möglicherweise zur Zielgruppe das Buches gehört. Sympathisch ist hier, dass Lauber zwar schreibt, dass das Buch schon für Sportfreaks gedacht ist (oder solche, die es werden wollen), aber dass man auch bei anderen Motivationen hier Inspirationen finden kann. Desweiteren führt sie aus, was man „bekommt“ (nämlich Rezepte vorwiegend gedacht für verschiedene Arten Sportler), aber auch, was man nicht bekommt (zb. Diätkonzepte mit Abnehmgarantien usw.)

Im zweiten Teil „Warm up“ darf die Motivation hinter veganer Ernährung nicht fehlen. Erfrischend ist hier, dass gesunde, vegane Ernährung zwar im Vordergrund des Buches steht – die Hauptmotivation, vegan zu sein oder sich öfters vegan zu ernähren, ist aber hauptsächlich ethisch/moralisch und teilweise ökologisch, aber nicht gesundheitlich begründet. Lauber geht sogar davon aus, dass „Schönheit“ und „Fitness“ nur begrenzt geeignete Gründe sind, sich vegan zu ernähren. Veganismus sei auch „kein universelles Wunderheilmittel“ (S. 16). Fragwürdige Argumente wie „der Mensch hat sich immer schon vegan ernährt“ werden ebenso entkräftet wie das Argument der „Natürlichkeit“. Meines Erachtens nach gelingt es Lauber hier gut, die Vorteile von Sport und Fitness, die grundsätzlich für jeden Menschen erstrebenswert sein können, neutral und nicht verknüpft mit den Vorteilen und Motivationen des Veganismus' zu präsentieren. Sport ist gut, Veganismus ist gut, aber weder ist Sport ein Bestandteil von Veganismus, noch kann man Fitness und Sport nur mit Veganismus erreichen. Diese Haltung zieht sich durch das ganze Buch, was es zu einer guten, bullshitfreien Ressource für sportbegeisterte oder -interessierte Veganer, oder veganismusinteressierte Sportler macht.

In den folgenden Abschnitten behandelt das Buch alle möglichen Aspekte von Sport, Ernährung, Makro- und Mikronährstoffen, „Clean-Eating“ und so weiter. An dieser Stelle wäre es unmöglich, alles aufzuführen und zu kritisieren. Grundsätzlich lässt sich aber sagen, dass die Informationen, die der Leser erhält, wissenschaftlich korrekt sind. Im kleinen „Vegan-1x1“ wird korrekt informiert, dass es keine Zauberei ist, sich ausgewogen vegan zu ernähren, dass man aber auch nicht blindlings einfach loslegen sollte, sondern sich ein gewisses Grundwissen erarbeiten soll. Dazu gehört auch die B12-Supplementierung mit regelmässigen Bluttests. Lauber erklärt dem Leser hier sogar den Unterschied zwischen Holo-TC und Homocystein-Tests beim Arzt, und warum es eben wichtig ist, nicht nur den Blutwert zu bestimmen. (Und wir befinden uns erst auf S. 19!)
Beachtenswert ist zudem, wie die Autorin mit dem Thema „gesunde Ernährung“ umgeht. Sie sagt selber, dass sie das Wort „gesund“ nicht so mag, und verwendet lieber den Begriff „Clean Eating“. Auch dieser Begriff ist mittlerweile ideologisch recht aufgeladen. Lauber umgeht das Problem insofern, dass sie sich klar gegen „Glaubenskirchen“ - sprich Diät- und Ernährungsideologien – ausspricht, aber auch, indem sie ihre Vorstellung von „Clean Eating“ klar definiert. Der Fokus liegt auf einer guten Versorgung mit Nährstoffen und mit Lebensmitteln, die einem die Art von Energie geben, die man für das eigene (sportliche) Ziel benötigt. Die Prämissen seien „Frisch“, „Primär“ und „Vielseitig“ - aber gleichzeitig wird nichts per se als „gut“ oder „schlecht“ eingestuft. Wer sich wegen einem konsumierten Nahrungsmittel gleich geisselt, der mache niemandem und schon gar nicht sich selber eine Freude.
Nur an wenigen Stellen ist die Wortwahl oder Satzformulierung etwas gewagt, wie beispielsweise beim Wort „Chemiebaukasten“ (S. 25) oder bei der Erwähnung von „gentechnisch veränderten Mikroorganismen“ ohne weiteren Kontext. Alles in allem ist dieser Abschnitt über „Clean Eating“ ist einer der grundsätzlich besten sowie auch wissenschaftlich fundiertesten, die ich von veganen Autoren gelesen habe.

Nach dem Bereich über Clean Eating folgt ein Abschnitt über Bio-Lebensmittel. Auch wenn die Autorin hier einige positive Punkte anspricht, hat mich dieser Abschnitt im Buch am meisten gestört, denn er erschien mir am wenigsten fundiert bzw. hinterfragt. Klar ist Demeter mal grundsätzlich ein Biolabel. Das für Demeter die Viehhaltung aber Pflicht ist und dass dort esoterische Praktiken (wie das Vergraben von Kuhhörnern) Pflicht ist, macht das Label für mich alles andere als vegan. Zudem stehen wir beim Biolandbau auch vor der grossen Problematik, dass zwar einerseits teilweise umweltschonender gepflanzt wird, andererseits ist Bio-Landbau deswegen problematischer, weil der Ertrag grundsätzlich niedriger ist, und weil eine teilweise unwissenschaftliche Anti-GMO-Haltung kombiniert mit naturalistischen Fehlschlüssen die Gesetz- und Richtliniengebung in diesem Bereich prägt. Da hätte ich mir noch eine deutlich differenziertere Auseinandersetzung gewünscht.

Das ist dann aber auch der einzige relevante Kritikpunkt am Informationsteil von „Kick it vegan“, und auch ein wenig die Suche nach der Nadel im Heuhaufen oder dem Haar in der Suppe. Die Informationen, die der Leser bekommt, sind grundsätzlich von hoher Qualität, wissenschaftlich fundiert, frei von Logikfehlern und sie werden undogmatisch und relaxt präsentiert. Die Teile über Ernährung, deren Bestandteile und die Funktionsweise unseres Körpers sind informativ und erhellend für Leute, die bisher im Biologieunterricht nicht aufgepasst haben (oder schlechte Lehrpersonen hatten). Grundsätzlich wird hier ein sehr guter Grundstein gelegt für den Einstieg oder eine Vertiefung in eine ausgewogene und reichhaltig-gesunde vegane Ernährung, oder eine auf die eigenen körperlichen oder sportlichen Ziele und Wünsche zugeschnittene Ernährung. Und wer nicht weiss, wie man überhaupt mit dieser Art Ernährung startet, für den hält Lauber eine ausführliche Auflistung an benötigten und speziellen Küchengeräten, Empfehlungen für den veganen Vorratschrank und eine detaillierte Warenkunde bereit. So kann's losgehen mit der veganen Powerküche!

Zu den Rezepten
Das Buch enthält mehr als 130 Rezepte, die in verschiedene Kategorien gegliedert sind. Bevor der Leser die Rezepte entdecken darf, führt eine ausführliche Legende in die unterschiedlichen Kategorien der Labels ein und erklärt, was damit genau gemeint ist.
Dann wird gestartet mit den „Basics“. Hier findet man Klassiker wie ein Seitanrezept, aber auch ungewöhnliches wie beispielsweise die Methode, Hülsenfrüchte einzukochen, oder Sojasahne selber herzustellen. Es sind also wirklich die Basics der Basics, und weniger eine Veganisierung von omnivoren Standardrezepten. Auch wenn ich das Rezept nicht probiert habe, fand ich es erfrischend, endlich mal ein Rezept für diesen ominösen „Hefeschmelz“ zu finden, von dem ich überall gelesen hatte, aber keine Ahnung hatte, wie man den herstellen soll.
Desweiteren folgen die Kategorien „Suppen und Salate“, gefolgt von den „Hauptgerichten“. Hier finden sich Sachen wie Burger und Pizza, aber auch klassische Beilagen wie „Ofengemüse“, die allerdings im Labelsystem durchaus auch als Hauptgericht gedacht sind. In der nächsten Kategorie finden sich „Snacks und Beilagen“. Hier hatte ich den Eindruck, dass auch einige klassische Frühstücksgerichte darin zu finden sind wie beispielsweise Rezepte zum Herstellen eigener Knuspermüslimischungen, oder ein überaus leckeres Buchweizenporridge.
In der Kategorie „Sweets und Desserts“ findet sich alles für den süssen Zahn. Auch hier erfüllt Lauber das Versprechen, Süssigkeiten für verschiedene Ernährungsformen zu präsentieren. Ein grosser Teil der Rezepte sind beispielsweise für Desserts unüblich reich an Proteinen oder arm an Kohlenhydraten.
Im nächsten Kapitel „Aufstriche und Dips“ findet sich alles für das süsse oder salzige Bestreichen des Brotes (oder Dippen, oder was auch immer). Vom klassischen Hummus, über einer weissen Schokoladencreme bis hin zu einem Tempeh-Paté findet sich für jeden Geschmack etwas.
In einem Buch, dass sich vor allem an Sportler richtet, darf die Kategorie „Drinks und Shakes“ natürlich nicht fehlen: Neben dem klassischen grünen Smoothie kann man eine Vanillemilch, ein Mango-Lassi oder auch eine „SteCola“ schlürfen und geniessen.

Die Inspiration für die Rezepte sind vielfältig – es scheint, als kämen Sachen aus der ganzen Welt zusammen, aber auch veganisierte Rezepte von der deutschen Grossmama dürfen nicht fehlen. Für den durchschnittlich-mitteleuropäischen Gaumen dürfte eine grosse Auswahl vorhanden sein.

Bei vielen Rezepten werden nach den Arbeitsschritten auch noch Variationen oder „Tuning“-Varianten aufgelistet. Wer ein niedrigkalorisches Rezept zubereitet, der bekommt also in vielen Fällen beispielsweise noch Optionen aufgelistet, wie man mehr Proteine oder mehr Kalorien zufügen könnte. Umgekehrt konnte ich einige Rezepte, die hochkalorisch waren, noch etwas runterschrauben in der Gesamtkalorienzahl. Auch Allergikern werden hier manchmal Optionen geboten, ein Gericht mit einfachen Veränderungen zum Beispiel sojafrei zu machen. Dies erhöht die Chance, dass man sich in mehr Gerichten „wiederfindet“ und sie nachkochen will.

Hummus-Indikator: Dingdong! :P (Ein bisschen erinnert mich der Chia-Kaviar zudem an die Instagram-gehypten Chia-Marmeladen. Aber ich lass das mal durchgehen!)

Umsetzbarkeit, Zutaten und Aufwand
Eines der heikleren Basic-Rezepte, das Sojajoghurt, hat bei mir nicht funktioniert. Da vermute ich aber, dass der Fehler bei mir liegt. Lauber schreibt auch, dass einiges schiefgehen kann. In meinem Fall kam leider kein Sojajoghurt, sondern eine Fäden ziehende schleimige Pampe raus. Da wollten die guten Bakterien nicht wirklich. Abgesehen von diesem Rezept war die Umsetzbarkeit der Rezepte grundsätzlich gut. Die Arbeitsschritte waren nachvollziehbar, machten Sinn, und gemäss meinen Notizen habe ich auch keine grösseren Unklarheiten bemerkt.
Einzig bei der Dosierung von Stevia hätte ich mir eine andere Angabe als „DL“ (Dosierlöffel) gewünscht. Erstens kommt kein Stevia in der Schweiz mit einem Dosierlöffel, zweitens könnten Dosierlöffel ja unterschiedlich gross sein. (Addendum: Die Dosierung wird im vorbereitenden Teil angegeben. Dies habe ich überlesen. Damit fällt der Kritikpunkt weg.)

Der Aufwand hält sich bei den meisten Rezepten in einem angemessenen Rahmen. Gerade die Snacks, Aufstriche und Getränke sind in vielen Fällen sehr rasch zusammenmix- und -mischbar. Leider fehlen bei den Rezepten übersichtlich dargestellte Zeitangaben, die ich grundsätzlich in Kochbüchern als Dienst am Leser sehr schätze.

Die verwendeten Zutaten sind mittelschwer besorgbar. Ein Grossteil ist im durchschnittlichen Supermarkt erhältlich. Für einige Sachen muss man sicherlich einen Bioladen oder ein Reformhaus bemühen, beispielsweise für Sojamehl oder Seitan fix, für Lupinenmehl, Stevia und das sehr oft verwendete Erythrit oder auch Kichererbsenmehl. Wer keinen dieser Läden in der unmittelbaren Umgebung hat, oder aus diversen Gründen solche Zutaten auch nicht online bestellen kann, der muss sich bei einigen Rezepten Varianten überlegen.
Einige Rezepte verwenden zudem veganes Proteinpulver. Wer zuhause nicht schon einen (geschmacksneutralen!) Favoriten hat, könnte hier auch noch in die eine oder andere Ausprobier-Falle treten. Ich selber habe mich noch nicht an Proteinpulver herangewagt, aber schon gehört, dass das sehr geschmacksabhängig sind.
Als Schweizerin habe ich noch einen etwas anderen Blick auf Zutatenlisten von Kochbüchern von deutschen Autoren. Einige Sachen bekommt man so in der Schweiz nicht. Grünkohl lässt sich beispielsweise nur frisch kaufen (wenn überhaupt), und nicht in Gläsern. Wenn man eine Pilzmischung im Tiefkühlabteil des Supermarktes findet, ist es selten eine „Asiapilzmischung“. Und „Bratfischgewürz“ ist auch etwas sehr deutsches. Mit ein bisschen Recherche und Abwandlungen kriegt man das aber auch hin. (Ich habe beispielsweise vergebens nach Erythrit Ausschau gehalten, und schliesslich beschlossen, einfach Stevia zu verwenden, oder es ganz wegzulassen.)

Nachgekochte Rezepte
Ich habe im Jahr 2014 und 2015 insgesamt 31 Rezepte aus „Kick it vegan“ nachgekocht. Grundsätzlich ernähre ich mich eher mit wenig Fett und mit Nahrungsmitteln von geringer Energiedichte, da ich übergewichtig bin und eher abnehmen möchte. Aus diesem Grund habe ich mich vor allem an Rezepte mit den Labels „LowKcal“ oder „LowFat“ gehalten. Gehalten habe ich mich vor allem an Rezepte aus den Bereichen der Suppen und Salate, Hauptspeisen und Beilagen. Basics habe ich nur wenige ausprobiert, ebenso kaum Aufstriche und Dips. Die meisten Aufstriche waren süss, und ich bin eher die salzige Brötchenbeschmiererin. Dazu kommt, dass einige Kategorien für meinen Ernährungsstil besser geeignet waren als andere. Die Rezepte bei den Suppen und Salaten sind fast alle niedrigkalorisch, während die Aufstriche und Dips fast alle hochkalorisch sind. Grundsätzlich zeigt sich da ein wenig das Problem bei der grossartigen Vielfalt und dem Wunsch der Autorin, Rezepte für alle möglichen Ernährungsstile zu liefern: Wer sich versucht, nach einem gewissen Stil zu ernähren, in meinem Falle kalorien- und fettarm, dem entgehen einige toll aussehende leckere Rezepte, die für den genau entgegengesetzten Ernährungsstil (zb. hochkalorischer Bulk) gedacht sind.
Wer das Buch allerdings einfach als generelle Rezeptequelle sieht, den dürfte das nicht betreffen.

Die Rezepte, die ich ausprobiert habe, habe ich in meiner Rezeptdatenbank alle mit 3-5 von fünf Sternen bewertet. Drei-Sterne-Wertungen waren meistens meinem eigenen Geschmacksempfinden geschuldet. Laubers Rezept für gefüllten Butternusskürbis konnte mich leider nicht von meiner Kürbisphobie kurieren, weshalb ich das Rezept mit drei Sternen bewertet habe. Einer guten Freundin hat es aber hervorragend geschmeckt. In einem einzigen Fall hat ein Rezept nicht so gut geklappt. Beim Rezept mit den Polentaschnitten war meiner Meinung nach zu viel Flüssigkeit auf zu wenig Polentagriess vorhanden.

In fast jedem salzigen Rezept verwendet die Autorin zudem ein wenig Erythrit. Grundsätzlich ist dies nachvollziehbar, gehört es doch zu einer gewissen Küchentradition, dass man zb. zu Salatsossen etwas Zucker hinzugibt, um den Geschmack hervorzuheben. Auch bei süssem Gebäck darf eine Prise Salz nicht fehlen. „Kick it vegan“ ist aber meiner bisherigen Erfahrung nach das einzige Kochbuch, dass diese süsse Komponente dermassen oft einsetzt. Für meine Umsetzung der Rezepte habe ich es grundsätzlich weggelassen. Ich mag Süsses und Salziges gemischt grundsätzlich nicht. Bei manchem schien es mir aber auch schlicht zuviel – so wird zum Beispiel im Sahnegeschnetzelten (S. 182) 3 TL Erythrit hinzugegeben. Die Rezepte haben auf jeden Fall auch ohne Erythrit geschmeckt – und die Autorin und ich werden uns vermutlich noch lange darüber streiten, wie sinnvoll Süsses in Salzigem ist. (Für empfindliche Mägen dürfte es zudem ratsam sein, Erythrit durch regulären Zucker oder andere, besser verträgliche Süssstoffe zu ersetzen. Erythrit kann einen gewissen „laxativen“ Effekt auf das Verdauungssystem haben, je nach Verträglichkeit und konsumierte Menge.)

Lieblingsrezept: Auf jeden Fall der innovative Ofen“Visch“, und das Rühr'ki, mit dem mich die Autorin zum Kichererbsenomelett konvertiert hat. Auch die Spinat-Haferpfanne war genial lecker, und der Karottenshake, innovativ mit Haselnuss drin, hat mich echt überrascht.

Fazit:
„Kick it vegan“ überzeugt mich auf sehr vielen Ebenen. Der ausführliche inhaltliche Teil ist sachlich fundiert und wissenschaftlich akkurat geschrieben. Trotz dem Fokus auf Sport und der Hauptzielgruppe Sportler  vertritt die Autorin die moralisch-ethische und ökologische Begründung des Veganismus und geht sogar soweit zu sagen, dass vegane Ernährung kein Allheilmittel, die vegane Küche nicht automatisch „gesund“ sein muss. Veganismus ist toll, Sport ist toll, man kann beides kombinieren, aber Sport ist weder verpflichtend für den Veganismus, noch ist Veganismus verpflichtend für den Sport. Das ist sehr sympathisch, denn viel zu oft wird man als Veganer mit solchen gesundheitlichen und sportlichen Imperativen bombardiert. In Laubers Schilderungen ihres eigenen Wegs bis hin zur Sportliebhaberin mag ich mich zumindest viel eher identifizieren als in gewissen anderen Schilderungen. „Kick it vegan“ ist mehr als nur ein Kochbuch – und richtet sich auch nicht nur an eine Zielgruppe. Dieses Versprechen erfüllt das Buch vollständig. Das Buch kann sowohl einem Bodybuilder als auch einem Sportmuffel mit Abnehmwünschen geschenkt werden. Die Rezepte sind solide, in den meisten Fällen sehr schmackhaft und gut durchführbar. Die Rezepte sind wie das ganze Buch von hoher Qualität und hohem Informationswert. Und das nur für 20 Euro! Klare Kaufempfehlung mit 5 von 5 Sternen!

Cheers!
Rose


Nachgekochte Gerichte: Sojajoghurt, Tomaten-Kichererbsensalat, Blitz-Bohnensalat, Hirse-Petersiliensuppe, Ohne-Hering-Salat, Asia-Rosenkohl-Salat, Blumenkohlcremesuppe, Seitan-Geschnetzeltes in Erdnusssauce, Butternutkürbis mit Zitrus-Räuchertofufüllung, Hafer-Parika auf griechische Art, Rührki', Protein-Bratspaghetti mit Cashew-Miso-Sauce, Sahnegeschnetzeltes, Kokos-Pilz-Nudelpfanne, Mediterrane Tagliatelle mit Aubergine, KaPü+, Wintereintopf, Spinat-Haferpfanne, Reispfanne mit Gurken und Erdnüssen, No Shepherd's Pie, Polentaschnitten mit Pilzragout, Sahneweisskohl, Rote Linsen mit Sahnesauerkraut, Ofen-Visch, Buchweizen-Birnen-Porridge, Kirsch-Mandel-Eiscreme, Gebackene Bananen im Reispapier, Erdbeer-Hafershake, Mango-Lassi, Karottenshake, Softdrinks: SteCola

Montag, 20. Juni 2016

Gold & Green "Pulled Oats" - Finnische Fleischalternative aus Hafer-, Erbsen- und Bohnenproteinen: Testbericht

Die ersten Artikel darüber erschienen vor etwa einem halben Jahr, zb. hier bei Reuters. Mit "Pulled Oats" (einer Anspielung auf die traditionell-amerikanische Speise Pulled Pork) will ein finnisches Unternehmen den Fleischalternativen-Markt neu aufmischen. Irgendwo in deutschsprachigen veganen Kreisen wurde das auch diskutiert - selbstverständlich finde ich jetzt keine Anzeichen mehr, wo das war. Ähem.

Wie dem auch sei. Das Produkt ist seit kurzer Zeit in Finnland in den Läden erhältlich. Die ersten Lieferungen waren nach wenigen Studnen ausverkauft und auch jetzt noch verkauft sich das Produkt sehr gut. Die Produktionsfirma gold&green kommt offenbar mit dem Liefern kaum nach. Aufgrund persönlichen Vitamin Bs (harhar) hatte ich die Gelegenheit, Pulled Oats von der Firma "Gold&Green" zu testen, direkt importiert von Finnland.

Die Sorten

Pulled Oats von gold&green
Die erhältlichen Sorten sind "nude", also ohne Würze, "tomato, smoked paprika, leaf parsley" (Tomate, geräuchertes Paprikapulver, Glattblättrige Petersilie) und "kaffir lime, sesame, ginger" (Kaffirlimette, Sesam, Ingwer).

Inhalt und Zusammensetzung sowie Nährstoffe
Das hat es in der Nature-Packung drin: (aus dem Finnischen bzw. Schwedischen übersetzt)
Wasser, Hafer (14%), Erbsenprotein (14%), Ackerbohnenprotein (9%), jodiertes Salz, Rapsöl. 

Das Produkt kommt somit ohne Weizen(*) und ohne Soja aus, was für allem für Leute mit Weizenallergie/Glutenunverträglichkeiten(*) und Soja-Allergiker sehr interessant ist.

Nährwerte pro 100g:
4.9g Fett (davon >0.1 gehärtetes)
7.5g Kohlenhydrate (davon 0.3g Zucker)
31.2g Proteine (!)
2.1g Ballaststoffe
1.3g Salz


Mit über 30 Gramm Protein pro 100g, was auf 71-78 Gramm Protein für die Packung hinausläuft (je nach Sorte), erfüllt das Produkt ziemlich klar die Kategorie "Proteinbombe". Für Vegan lebende Personen, die auf ihren Proteinkonsum achten und mehr als eine durchschnittliche Person aufnehmen (zb. Muskelaufbau), könnte dieses oder ein ähnliches Produkt sehr interessant sein.
(Zum Vergleich: Tofu liefert ca. 15-16g Protein auf 100 Gramm (bei ca. 150 +- Kcal), Seitan etwas mehr als 20g auf 100g (bei 120kcal) und gekochte Kichererbsen etwa 7-8g auf 100g (bei 120kcal/100g). (Alle Angaben von fddb.de). 


Nährwerte und Aminosäure-Zusammensetzung von "nude"
Sehr informativ ist die Tabelle neben den Nährwertangaben. Sie liefert Hinweise darauf, welche Spurenelemente und Eiweisssorten in dem Produkt vorhanden sind. Das geht deutlich über die gesetzlich notwendigen Informationen hinaus und zeugt davon, dass die Macher des Produkts Ahnung haben, was in der veganen Ernährung nötig ist und welche Informationen gut informierte vegan lebende Personen benötigen. Gerade die Angaben zu Metionin und Lysin sind interessant, da es vorkommen kann, dass man als vegane Person zuwenig Lysin zu sich nimmt (Quelle). Zudem liefert die Tabelle einen direkten Vergleich mit dem Gehalt an diesen Aminosäuren in Hähnchenbrust ("kananrinta" in Finnisch). Hier schneidet das Produkt in fast allen Bereichen besser ab als das omnivore Pendant.

Aussehen und Konsistenz
Die Konsistenz des Pulled Oat ist mit nichts zu vergleichen, was mir im Fleischalternativen-Markt bisher untergekommen ist. Eine dermassen faserig-fleischige Konsistenz habe ich das letzte Mal im Mund gespürt, als ich Gulasch gegessen habe, das mit "Rindsvoressen" gekocht wurde (ein besonders zähes Stück Fleisch vom Rind, das lange gekocht werden muss und dann faserig-zart wird, vermutlich ähnlich wie Siedfleisch).
Von der Textur her ist das Produkt absolut überzeugend. Obwohl ich noch nie "Pulled Pork" gegessen habe, kann ich mir gut vorstellen, dass die Textur sehr ähnlich ist. Pulled Pork ist ja auch zähes Fleisch, das sehr lange gekocht wird, damit es nahezu schon fast "auseinanderfällt". Die Bilder sahen jedenfalls immer danach aus. Man kann die Stücke auch gut mit der Hand oder der Gabel auseinanderzupfen. Beim zweiten Foto sieht man die Konsistenz noch etwas besser, da ist das Produkt bereits angebraten.
Da das Produkt deutlich weniger fettig ist, ist es auch weniger "feucht". Es ist recht trocken. Das ist wohl der einzige fundamentale Unterschied.

Geschmack
Der Geschmack des Produkts ist kaum richtig greifbar. Leicht rauchig, aber wenig fleischig vom Geschmack her. Es fehlt deutlich an der sonst so üblichen "Fettigkeit", die ein Fleischprodukt mit derselben Konsistenz hätte. Ich hatte deutlich mehr zu beissen als zb. bei Seitan - und das will was heissen.
Die beiden gewürzen Varianten sind nicht wirklich gewürzt. Von den Geschmacksrichtungen habe ich eigentlich kaum was gemerkt, und würde künftig nur noch zur "nude"-Variante greifen, und selber würzen.

Testküche

Ich habe es mir natürlich nicht nehmen lassen, das Pulled Oats in verschiedenen Formen kulinarisch zu verkochen und zu testen. Als Abschluss möchte ich davon einige Fotos zeigen.

"nude"- ganz einfach mit etwas Zwiebel und Pilzen angebraten

Die Kaffirlimetten-Ingwer-Version mit viel Gemüse angebraten,
zu Reis serviert

"Jerk Sloppy Joes" aus "Isa does it" mit der Tomaten-Variante
statt mit Seitan. Hat super geschmeckt!

Die "nude" Variante schlicht angebraten mit etwas
Liquid Smoke, serviert zu Mais-Spargelgemüse

Fazit: Mit der Pulled-Oats-Linie ist dem Startup "Gold&Green" ein absolutes Hammerprodukt gelungen. Die Fleischalternative ist überraschend faserig-fleischig von der Textur und vom Kochverhalten her, dabei schmeckt sie aber nicht übertrieben fleischig und spart auch deutlich am Fett. Der Proteingehalt und der erhöhte Gehalt an essentiellen Aminosäuren dürften vegan lebende Personen mit oder ohne Fokus auf Proteinzufuhr interessieren. Zudem kann das Produkt kalt oder warm gegessen werden, in der warmen Küche kann es auf mehrere Arten zubereitet werden (ich bin sicher, da gibts noch viel kreativere Köpfe als ich.) Allergiker profitieren zudem davon, dass das Produkt Weizen(*)- UND Sojafrei ist.
Die Produkte sind zudem relativ lange haltbar. Meine Packungen wurden Anfang Juni gekauft und waren bis am 22./23. Juni haltbar.

Wermutstropfen: Das Produkt ist bisher nur in Finnland erhältlich und dort dermassen beliebt, dass es auch mehrere Monate nach Markteinführung wenige Stunden nach den Neulieferungen ausverkauft ist. Wir können nur hoffen, dass das Produkt bald im deutschsprachigen Raum erhältlich sein wird. (Wobei die Erfahrung ja zeigt, dass Deutschland vermutlich eh zuerst Glück hat, und die Schweiz viel später nachzieht. Also so etwa in fünf Jahren. Bis dahin stille ich mein Verlangen mit meinen immer mal wieder erfolgenden Finnlandtrips. :D)

*Anmerkung: In einer ersten Fassung dieses Artikels stand, dass das Produkt Glutenfrei sei. Ich wurde zurecht drauf hingewiesen, dass das so nicht stimmt. Das Produkt ist Weizenfrei und bewirbt sich auch nur so. Ich entschuldige mich für den Fehler. Ich unterlag dem klassischen "Nur Weizen enthält Gluten"-Fehlschluss, da ich selber nicht betroffen bin. Vielen Dank für die Anmerkung. :)

Freitag, 5. Februar 2016

Bullshitfreie Kochbuchrezension: "Junge vegane Küche" - Hochuli (Vol. 8)

Dies ist die letzte Kochbuchrezension, die ich aus meinem alten Blog übernehme und hier poste. Ich habe allerdings zurzeit noch drei Bücher, die ich rezensieren möchte, und ich bin weiter fleissig dabei, aus anderen Kochbüchern Rezepte nachzukochen. Stay tuned!
Datum des Originaleintrags: 15. Februar 2015  - Da ich das Buch im Moment verliehen habe, kann ich kein Foto beifügen. Man kann ja googlen.


Generelle Infos
Junge vegane Küche - gesund, vielfältig und einfach lecker
Autor: Philip Hochuli
Erscheinungsdatum: Dezember 2012
Preis: ca 22 Euro
Sprache: Deutsch
Verlag: Pro Business

Grafik, Design und generelles Aussehen

"Junge vegane Küche" geht den sehr schweizerischen Weg der Ringbuch-Bindung nach Art "Betty Bossi". Vielleicht war es für den jungen Autor (und soweit ich weiss auch Selfpublisher) so am günstigsten, oder vielleicht wurde die Nähe zum Betty-Bossy-Kochbuchformat für den Schweizer Markt auch bewusst gewählt - Was immer es war, es funktioniert. Für mich ist eine Ringbuchbindung die beste Methode, ein Kochbuch zu binden. Nichts klappt zu, alles bleibt an Ort und Stelle, das Buch ist in jeder möglichen Position "hälftig" auf dem Tisch hinlegbar.
Mit etwas weniger als einem Zentimeter Dicke und dem minimalen Gewicht von etwa 3-4 Schokoladentafeln eignet sich das Buch zudem doppelt und dreifach für die Küche, auch die Mobile Küche oder fürs Mitnehmen in den Urlaub oder zu Besuch oder wo auch immer. Und wer befürchtet, die Ringbuchbindung sei nicht stabil, den kann ich beruhigen - Ringbuch-Bindungen halten sehr, sehr lange, und eignen sich für Kochbücher sehr gut. Meine Mutter hat noch Betty-Bossy-Kochbücher aus den 1970er-Jahren, bei denen noch keine einzige Seite aus der Bindung herausgerissen ist. Auch "Stürze" vom Tisch oder dergleichen halten die Bücher gut aus.

Die Grafische Gestaltung präsentiert sich folgendermassen: Rezepte befinden sich immer auf der linken Seite, die rechte Seite ist für Fotos vorgesehen. Dieses Schema zieht sich (vermutlich auch wiederum der Einfachheit halber und aus Kostengründen) durch das ganze Buch. Erfreulich ist hier zu erwähnen, dass mit Ausnahme einiger weniger Basisrezepte (Salatsossen usw.) alle Rezepte bebildert sind. In den meisten Fällen findet man zwei bis drei Rezepte pro Seite, und somit auch zwei bis drei Bilder pro gegenüberliegende Fotografieseite. Die gewählte Schrift kommt ohne grossen Firlefanz und Schnörkel aus. Titel der Rezepte sind in Grossbuchstaben gehalten, daneben befinden sich kleine Logos, die auf Eigenschaften des Rezept hinweisen (zb. (G) für Glutenfrei). Direkt unter dem Rezepttitel findet man die Portionenangaben.
Etwas weiter unter dem Rezepttitel befindet sich dann die Zutatenliste, die in einem dunklen Grau gehalten ist, daneben befinden sich die Zubereitungshinweise wiederum in Schwarz und in einer leicht anderen Schrift als die Zutaten. Die Schriftgrösse schätze ich auf 11 Punkte, sie ist gerade noch angenehm von der Grösse her. Einzig der Wechsel von Grau/Schwarz und den Schriften finde ich manchmal ein wenig mühsam. Hier wurde vermutlich aus Kostengründen auf Farbe verzichtet, das wäre aber angenehmer gewesen.
Falls das Rezept zwei Komponenten enthält (zb. eine Sauce zu einem Gericht) wird dies sowohl in den Zutatenlisten als auch in den Zubereitungsschritten deutlich abgetrennt vom Restgericht (durch Fettschreibung oder den Hinweis "Sauce"). Dies erleichtert die Zuordnung von Arbeitschritten und Zutaten.
Zuunterst befindet sich mittig bei der Seite die Seitenzahl, und daneben noch der Hinweis, in welchem Kapitel des Buches man sich befindet (zb. "Hauptgänge"). Letzteres ist nötig, da keine Seiten dafür verwendet werden, die Kapitel voneinander abzusondern.

Inhalt
"Junge vegane Küche" kommt für ein deutschsprachiges Kochbuch mit erstaunlich wenigen einführenden Seiten aus. Ein kurzes Vorwort (mit prominent platziertem Ganzkörperfoto des Autors), sowie eine "Über-mich"-Seite findet sich noch vor dem Inhaltsverzeichnis.
Weitere zwei Seiten sind dann generellen Hinweisen vorbehalten, eine weitere Seite informiert über "Abkürzungen und Erläuterungen" und dann steht der Leser auch schon der ersten Rezeptseite gegenüber. Es geht also ziemlich rasch ans Eingemachte.
Die zwei Seiten Fakten gliedern sich in die Unterpunkte "Ein Plädoyer für pflanzliche Küche" sowie ein "Plädoyer für Bio", auf der zweiten Seite wird über Allergiker-Informationen informiert, Einkaufstipps gegeben und auf Dinge hinwiesen, die wichtig sind, "bevor es losgeht". Gerade bei den beiden Plädoyers fällt auf, dass Hochuli weiss, wie man zitiert: Er verwendet für die wichtigsten Behauptungen Fussnoten und gibt seine Quellen an. Ein gewisses wissenschaftliches Denken ist also vorausgesetzt. Leider liefert er gerade für die kritischste Behauptung, man könne mit veganer Kost zahlreichen "Zivilisations"-krankheiten vorbeugen, keine Quelle an. Das ist dann wiederum eher negativ. Da er vor allem auf den nachhaltigen Aspekt der veganen Ernährung eingeht, scheint der gesundheitliche Aspekt (zum Glück?) nicht seine Hauptmotivation zu sein.
Im Plädoyer für Bio erwähnt Hochuli vor allem die Vorteile der Schweizer Biozertifikation im Vergleich zum niedrigeren EU-Bio-Standard. Hier werden einige Behauptungen gemacht, bei denen sich eine nähere Reflexion unter Umständen noch lohnen würde, beispielsweise ob die Qualität von Schweizer Bioprodukten tatsächlich höher ist als die von EU-Bioprodukten. Unreflektiert bleiben zudem die Aussagen, dass Bio ohne Gentechnik und ohne Zusatzsstoffe wie Farb- und Aromastoffe usw. auskomme. Dies ist faktisch korrekt, allerdings bleibt der Leser ohne eine genauere Einordnung dieser Fakten zurück. Warum das jetzt "besser" sein sollte, vor allem im Punkt Gentech, wird nicht erwähnt. Hochuli übernimmt die weit verbreitete diffusen Ängste vor GMO und verbreitet sie weiter.

Generell lässt sich allerdings sagen, dass es in disem Buch vor allem um eines geht: Rezepte. Hochuli verliert nicht viele Worte, bis die ersten Rezepte anstehen, und wo er Worte verliert, sind sie meistens durch Quellen belegt, die man in kritischen Fällen dann auch selber überprüfen könnte. Er leistet sich nur kleine Schnitzer und stürzt sich sowieso vor allem sofort in Rezepte.
Für mich ist diese Einstellung erfrischend - für Neuveganer und Interessierte präsentiert sich das Buch diesbezüglich allerdings womöglich lückenhaft. Immerhin einige wenige konkrete Hinweise auf Aspekte der Supplementierung und Versorgung mit wichtigen Nährstoffen (vor allem der Hinweis auf die Supplementierung von B12) hätten durchaus angefügt werden können.

Nach dem dominierenden Rezeptteil findet der Leser noch vier Seiten "Tipps und Hinweise". Dies darf man vor allem als Einführung in den veganen Einkaufsschrank verstehen. Hier erläutert Hochuli beispielsweise, wie man Eier in Rezepten ersetzen oder weglassen kann, welche Margarine er verwendet und warum, welche Mehlsorten er verwendet und welchen Mehlsorten dies in Deutschland entspricht, welche Pflanzendrinks es gibt und dergleichen.
Hier fällt vor allem auf, wie kompetent und unaufgeregt der Autor mit der Palmöl-Frage umgeht (S. 105). Vermisst wurden hier allerdings noch Hinweise auf Gelatineklärung bei Essigen und Fruchtsäften. Dies ist für Neuveganer oft ein Stolperstein.

Zu den Rezepten: Das Buch enthält mehr als 100 Rezepte, die in vielen Fällen einen klaren Schweiz-Bezug haben. Gegliedert sind die Rezepte in die Kategorien "Basics", "Allerlei", "Gemüse", "Hauptgänge" und "Süsses". Unter "Allerlei" findet der Leser vor allem Salate, Vorspeisen und Snacks, während die anderen Kategorien selbsterklärend sind.
Vor allem die Kategorie Hauptgänge empfand ich als Leserin in manchen Fällen etwas willkührlich zusammengewürfelt. In vielen Fällen hätte es sich angeboten, die Kategorie nochmal von "Beilagen"-Rezepten abzugrenzen. Im Falle von reinen Gemüsegerichten wurde dies ja getan. So finden sich zum Beispiel in den Hauptgängen ein Rezept zu "Sellerieschnitzel", dass eigentlich sehr gut in die Gemüsegerichte gepasst hat. Als Leser kann man nur mutmassen, dass es deswegen in den Hauptgängen steht, weil auf derselben Seite noch ein Bild/Rezept zu "Rosmarinpolenta" abgedruckt wird. Es kann also sein, dass die beiden Dinge zusammengehören. Die getrennten Fotos sprechen allerdings wiederum dagegen. In solchen Fällen wäre es manchmal gut gewesen, wenn der Autor seine "Stimme" hätte einfliessen lassen in die Präsentation der Rezepte, und wäre es nur in einer kleinen Zeile mit dem Titel "Dazu passt..." gewesen, oder auch manchmal in kleinen Notizen oder Anekdoten. Platz genug wäre in den meisten Fällen gewesen.
Erwähnenswert ist auch noch der klare Schweiz-Bezug. Es fängt da an, wo Hochuli "Speckwürfeli" schreibt statt "Speckwürfelchen" und setzt sich fort, wenn er traditionelle Schweizer Gerichte veganisiert. Zwiebelwähe, Riz Casimir, Zürcher Geschnetzeltes oder Rösti erfreuen das Schweizer Herz ebenso wie verschiedene süsse Wähen (Obstkuchen im Rundblech), Engadiner Nusstorte und Magenbrot. Damit setzt Hochuli klare Akzente für das Schweizer Publikum, und beweist, dass er Talent hat, wenn es darum geht, lokale und regionale Klassiker zu veganisieren.
Neben der gutbürgerlich-schweizerischen Küche finden sich auch Akzente aus aller Welt im Buch, beispielsweise griechisches Moussaka, italienische Klassiker wie Lasagne und Spaghetti-Sossen, aber auch Falafel aus dem mittleren Osten, französisches Ratatouille und Quiche sowie der Kindheitsklassiker "Fischstäbchen". Ungeachtet der internationalen Akzente sind diese Rezepte immer noch ein Querschnitt aus Gerichten , die im Verlauf der letzten fünf Jahrzehnten Einzug in die schweizerische Küche gehalten haben. Das Buch ist aber nicht nur für Schweizer interessant, sondern auch für deutsche oder österreichische Leser.

Hinweise zu Soja- oder Glutenfreiheit finden sich, wie bereits erwähnt, bei jedem Rezept gut platziert. Auch die Portionenangaben sind gut positioniert und sichtbar. Vermisst habe ich allerdings grobe Zeitangaben zur Zubereitung der Rezepte. Das ist immer schade, wenn so etwas nicht berücksichtigt wird.

Hummus-Indikator: Hummus, Guacamole, Falaffel, Tsatziki und Tofu-Scramble.. The holy vegan five! 5 Punkte. :D

Umsetzbarkeit, Zutaten und Aufwand
Dafür, dass Hochuli Autodidakt ist, sind seine Rezepte erstaunlich akkurat. In manchen Fällen habe ich kleine Veränderungen oder Verbesserungen angebracht, aber meistens klappte das ganz gut, wie es im Rezept vorgegeben wurde. Dies hat mich positiv überrascht - es zeugt für mich davon, dass Hochuli wirklich lange daran gearbeitet hat, seine Rezepte zu verbessern und sie vermutlich immer und immer wieder gekocht hat.
Dafür spricht auch, dass Hochuli sogar für verschiedene Teigsorten eigene Rezepte entwickelt hat, und darauf immer wieder verweist. Im ganzen Buch kommt Hochuli ohne den Zukauf von Fertigprodukten wie Strudelteig, Kuchenteig, Mayonnaise usw. aus - fast alles wird selber gemacht. Dies ist einerseits förderlich, wenn es um die Betrachtung der Zutaten geht: Ich habe im ganzen Buch kaum Zutaten gefunden, die ich nicht in "meinen" regulären Supermärkten in der Schweiz finden würde. Für manches muss man in den Bioladen (Sojamehl, Tempeh), aber im grossen und ganzen kauft Hochuli vermutlich in denselben Läden ein wie ich - bloss in einem anderen Kanton. Sehr, sehr angenehm.
Ebenso verzichtet er komplett auf gekaufte Fleischalternativprodukte. Fleischalternativen werden selber hergestellt (zb. Meatballs auf Tofu-, oder Linsenkroketten auf Linsenbasis) oder es werden die klassischen pflanzlichen Eiweissträger Tempeh, (Räucher-)Tofu oder Seitan verwendet.
Der Aufwand liegt zwischen normal und hoch. Vor allem bei Rezepten, in denen Hochuli eigene Teige vorsieht, erhöht sich der Aufwand für die Rezepte dann doch, wenn man den Teig wirklich selber macht. Man kann aber auch ohne Probleme auf einen Fertigteig ausweichen, zb. Strudelteig, wenn man keine Lust oder keine Zeit hat, sowas selber zu machen. Dann sinkt der Aufwand auch wieder.

Allgemein gesehen sind die Rezepte nicht wirklich aufwändig, ein Grossteil lässt sich gefühlt auch unter 30 Minuten fabrizieren, vor allem die Gemüsegerichte und verschiedene Hauptgänge. Dadurch, dass die Zutaten wenig exotisch sind, spart man natürlich auch beim Einkauf viel Zeit und hat somit weniger Aufwand.

Nachgekochte Rezepte

Im Jahr 2014 habe ich etwas mehr als 20 Rezepte aus "Junge vegane Küche" nachgekocht, ohne klaren Fokus auf eine bestimmte Rezeptkategorie. Ich habe auch Süsses nachgebacken, nicht so wie bei vorherigen Kochbüchern im Jahr 2013. Die Bewertung bewegte sich in den meisten Fällen auf dem Niveau vier oder fünf Sterne, mit einigen Ausreissern nach drei Sternen. Durchgefallen ist kein Rezept, was ich wirklich beachtenswert finde.

Lieblingsrezept: Nudelauflauf, Magenbrot
(Addendum 2016: Magenbrot ist ene Art Gewürzkuchen in Schokoladenglasur, sehr typisch für Schweizerische Jahrmarktstände oder bei der Fasnacht. Magenbrot deshalb, weil die Gewürzmischung den Magen beruhigen soll. Enthält in den meisten Fällen Honig oder auch Milch und Ei, deswegen muss der CH-Veganer oft drauf verzichten.)

Fazit
"Junge vegane Küche" packt einen Koffer voll mit einen Hauch Hobbyküche, einen Hauch Autodidakt und eine grosse Menge an gut nachkochbaren, schmeckenden und soliden Rezepten sowie einer fundierte Warenkunde. Man spürt die Motivation hinter der Entstehung dieses Buchs.
Hochuli ist ein Risiko eingegangen und hat es selbst verlegt bzw. bei Books on Demand drucken lassen. Man merkt dem Buch dann aber auch an, dass Hochuli vieles mehrmals durchdacht und Rezepte einige Male nachgekocht, perfektioniert und getestet haben muss. Die Fehlerquote ist niedrig, die Rezepte gelingen und schmecken gut bis sehr gut.
Der Fokus liegt klar auf den Rezepten, der Autor will weder missionieren, noch veganisieren, noch überhaupt grossartig Worte verlieren. Beachtenswert ist vor allem der Bezug auf gutbürgerliche (Deutsch-)Schweizer Küche und alle die ausländischen Einflüsse, die in den letzten Jahrzehnten in die Schweizer Küche Einzug gehalten haben und nun zum Standartrepertoire der Deutschschweiz gehören. Hier positioniert sich Hochuli sicher einzigartig in der deutschsprachigen veganen Kochbuchwelt, ohne sich bei den Schweizern künstlich anzubiedern. (Das Wagnis hat sich für Hochuli übrigens gelohnt. Sein zweites Kochbuch "Vegan - die pure Kochlust" erschien vor einem Jahr beim namhaften AT-Verlag.)
Hochulis Kochbuch ist geeignet für Leute, die bereits grundlegende Kochkenntnisse und/oder die einen klaren Schweiz-Bezug haben. Für klare Kochanfänger ist das Buch eher bedingt geeignet, auch vermisst ein interessierter Allesesser vielleicht nähere Einführungen und Erläuterungen zum Veganismus. Für Allessesser, die dem Veganismus als Gesamtes eher skeptisch gegenüberstehen, könnten die fehlenden näheren Einführungen allerdings auch ein guter Grund sein, das Buch zu kaufen/geschenkt zu bekommen. Missioniert wird man bei "Junge vegane Küche" allerhöchstens durch das Essen selber.
Endergebnis: 4 von 5 Sternen!

Cheers!
Rose

Getestete Rezepte
Gourmet-Tofuwürfel; Kartoffelsalat; Samosa; Rote Kokos-Linsen; Zwiebelwähe; Lasagne; Meatballs; Nudelauflauf; Nudelpfanne mit Artischockenherzen und Fenchel; Tagliatelle an Marroni-Austernpilzsauce; Spinatstrudel mit „Frischkäse;“ Tortillas de patatas; Zürcher Geschnetzeltes; Rösti mit Zwiebelsauce; American Brownies; Himmlischer Schokokuchen; Kokoskuchen; Magenbrot; Schoko-Datteln; Einfache Schnitzel; Gemüse-Wraps mit Erdnussauce; Lauch-Kohl-Gemüse

Mittwoch, 3. Februar 2016

Bullshitfreie Kochbuchrezension: "Das Ox-Kochbuch 5" - Hiller/Herzer (Vol. 4)

Datum des Originalpostings: 29. September 2014

Generelle Informationen
Das Ox-Kochbuch 5: Kochen ohne Knochen
Autorin: Uschi Herzer, Joachim Miller
Erschienen: 2012 Preis: ca 10. Euro
Sprache: Deutsch
Verlag: Ventil Verlag
Das Buch befindet sich seit Anfang 2013 in meinem Besitz.
Grafik, Design und generelles Aussehen
Das Ox-Kochbuch ist ein Handtaschenkochbuch, so scheint es mir fast. Kaum dicker als ein Zentimeter, im handlichen A5-Format und wegen der konsequenten Verwendung von Papier sehr leicht und biegsam gehört es eher zur robusteren, einfacheren Sorte der Kochbücher. Es ist ganz sicherlich kein Hochglanzkochbuch - das würde auch dem Preis nicht entsprechen, denn erschwinglich ist das Buch auf alle Fälle. 

Verarbeitet ist das Buch solala - man muss die Seiten recht stark herunterdrücken, damit das Buch auf der richtigen Seite liegenbleibt. Die einfache Verarbeitung lädt auch dazu ein, den Buchrücken zu überdehnen. Das hat bei mir dazu geführt, dass ein Grossteil des Buchrückens sich von den gebundenen Buchseiten gelöst hat. Einige Seiten sind lose geworden und können potentiell aus dem Buch fallen.
Die Gestaltung selber ist gut aufgemacht. Die Titel der Rezepte sind fett und in Farbe gehalten, je nach Rezeptkapitel in einer anderen Farbe. Darunter folgt klein die Anmerkung, wer das Rezept verfasst hat, für wieviele es ist, und natürlich auch - gemäss der OX-Kochbuchtradition - welche Band oder welche CD man dazu hören sollte. Die Zutatenliste ist tatsächlich als Liste aufgemacht, mit Punkten vor jedem Produkt, und ist zudem in dicker Schrift verfasst, die sich wiederum von den nachfolgenden Rezeptanleitungsschritten abhebt.
Die Rezeptanleitungen sind nummeriert, und entsprechende Hinweise zum Rezept finden sich immer am Ende, hingewiesen wird durch einen Pfeil. Es ist also alles schön logisch geordnet und entsprechend symbolisiert, fast wie in einem Worddokument mit unterschiedlichen Aufzählungen, Nummerierungen und dergleichen. ;)
Die Schrift ist gut lesbar, das muss sie auch sein, denn sie ist doch recht klein. In den meisten Fällen sind die Seiten mit zwei Spalten gefüllt. Ein Rezept folgt einem anderen nach, es wird kaum Platz vergeudet. Das führt allerdings in vielen Fällen dazu, dass ein Rezept auf der nächsten Seite fortgesetzt wird. Die Rezepte sind nicht alle bebildert. Tatsächlich finden sich nur bei einem kleinen Teil der Rezepte tatäschlich Bilder, und die Bilder, die es gibt, sind eher ein wenig amateurhaft, muss ich sagen.
Womit das OX-Kochbuch punktet, sind die vielen liebevollen Illustrationen, die zb. in die Kategoriendeckblätter eingebaut sind, oder teilweise direkt das Rezept präsentieren. So wie das Titelblatt gestaltet ist, solche Darstellungen illustrieren jedes Kapiteldeckblatt - immer wieder für einen Lacher gut.

Inhalt
Das Ox-Kochbuch ist nicht das erste seiner Art. Bereits wurden in der Ox-Reihe vier weitere Kochbücher herausgegeben. Was das fünfte Buch allerdings von diesen Vorgängern unterscheidet, ist, dass nur noch vegan gekocht wird. Die anderen vier Bücher waren vegan-vegetarisch. Hiller/Herzer gehen in ihrem einseitigen Vorwort auch darauf ein. Sie schildern, dass dieses vegane Buch ihre Entwicklung der vergangenen Jahre wiederspiegle, da sie "nach vielen Jahren als Vegetarier den entscheidenden, konsequenten Schritt hin zuur veganen Ernährung getan" hätten. Dafür hätten "ethische, gesundheitliche und ökologische Gründe gleichermassen" eine Rolle gespielt (S. 3).
Kein veganes Kochbuch kommt ohne einleitende Worte zum Veganismus aus. Auch bei dieser Kochbuchrezension kann dieser Punkt abgehakt werden. Auf sechs Seiten gehen die Autoren unter anderem darauf ein, was Veganismus bedeutet, und wie sich Veganer vom Vegetarier unterscheiden. Sie gehen auch darauf ein, was Veganer denn so für Menschen seien, und betonen, dass Veganer alles essen dürften - aber eben nicht wollen.
Ich finde es charmant, dass die beiden Autoren auch auf das von Omnivoren oftmals als "missionarisch" betrachtete Gehabe eingehen, und versuchen zu erklären, warum einige Veganer diesen Drang fühlen, auf Tierleid hinzuweisen. Im darauffolgenden Abschnitt führen sie dann entsprechend auch aus, was "falsch" ist am Konsum von Tierprodukten. Der Tonfall, der durchaus sehr erklärend ist, und nicht als gehobener Zeigefinger daherkommt, gefällt mir gut, auch wenn ich nicht ganz sicher bin, ob ich dieser Art von Aufklärung in einem Kochbuch positiv gegenüber stehen soll. Auch die Ausüfhrungen zur Heterogenität der "veganen Szene" finden ihren Platz, was ich wirklich gut finde. Die weiteren vier Seiten erklären, welche Produkte man wie ersetzen kann, wie man vegane Sachen erkennt und die restlichen Aspekte veganer Warenkunde, die für einen Neu-Veggie relevant sind.
Man merkt, dass die beiden Autoren stark von einem ethisch-ökologischen Aspekt her denken und auch so argumentieren. Die gesundheitlichen Aspekte überlassen sie dann jemandem, der fachlich kompetenter ist als sie selber. Sie lassen auf weiteren drei Seiten nämlich Dr. Markus Keller zu Wort kommen. Keller ist Ernährungswissenschaftler und Leiter des Instituts für alternative und nachhaltige Ernährung (IFANE), ebenso Mitvefasser des Standardwerks "Vegetarische Ernährung" vom UTB Verlag. In der Vergangenheit ist er mir vor allem sehr positiv aufgefallen, weil er eine stark wissenschaftlich, rational-logische Betrachtung des Themas Veganismus pflegt. Er kann seine Aussagen begründen, belegen, er kann Studien korrekt interpretiern und einschätzen und er verfällt nicht diesem einseitigen "Vegan ist total gesund, es gibt keine Kritikpunkte daran!!11"-Bias, dem leider soviele naturwissenschaftlich nicht gebildete Veganer verfallen. So brauche ich dann auch nicht zu erwähnen, dass in seinen Ausführungen korrekte Fakten bezüglich B12, Vitamin D, Kalzium und anderen Mikronährstoffen, die der Veganer braucht, zu finden sind.
Ein grosser Pluspunkt ist die Erwähnung von Vitamin B-12-Analoga und der Mythos, in fermentierten Dingen wie Sauerkraut und Tempeh fänden sich genügende Mengen an Vitamin B12. Für ihn ist klar: Um eine Supplementierung kommt man nicht herum. Das gibt einen Anti-Eso, Pro-Wissenschaft Pluspunkt! So wünschte ich mir das für sämtliche Kochbücher. (Das Ox-Kochbuch steht hierbei übrigens stark im generellen Tenor, den auch das Kochen ohne Knochen-Magazin verwendet - das gehört ja auch zum selben Verlag/zur selten Redaktion. Für mich eine der besten und sachlich fundiertesten Informationsquellen zu veganer/vegetarischer Ernährung, dies gibt.)

Das Ox-Kochbuch enthält ungefähr 200 Rezepte. Sie sind aufgegliedert in die üblichen Kategorien wie Salat, Suppen, Snacks, Hauptgerichte, Aufstriche, Süsses. Eine etwas ungewöhnliche Kategorie ist wohl der Unterpunkt "Nachgebautes", in dem Dinge wie Remoulade, Frischkäse, Schmelz zum Überbacken, oder Eiersalat Platz finden. Das ist insofern sympathisch, dass man hier auf einen Blick alle Rezepte vor sich hat, die eventuelle Gelüste nach tierischen Produkten befriedigen können.
Was beim Inhalt des Ox-Kochbuch nicht unerwähnt bleiben darf, ist die spezielle Art und Weise, mit der subtil und ziemlich offensichtlich mit Non-Konformität gespielt wird. Das ist wohl einzigartig für Kochbücher. Selbst Isa Chandra Moskovitz und Terry Hope Romero (Veganomicon) schaffen es mit ihren Off-the-record-Anmerkungen und Anekdoten nicht, die Fülle und Vielfalt im Ox-Kochbuch zu toppen.
Es fängt schon damit an, dass die Rezeptkreationen teilweise sehr lustige, abenteuerliche Namen haben. Da gibt es den "Frühlinxsalat", den man auf derselben Seite wie den "Karbosalat" und den "Highway-Car-Crash-Salad" findet. Eine Suppe ist nicht nur eine Suppe, sondern eine "Rote-Linsen-Kartoffelsuppe mit Aufstrichpotenzial" - und aus der Suppe wird gleich noch ein Zweitrezept für einen superleckeren Aufstrich. Wer Lust auf Chicorée hat, macht doch einfach den "Coco Loco Chicorée" und ergänzt es mit einem "Fränkischen Nazi Goreng". Kichern wird man spätestens beim "Giggle-pot", einem Eintopf mit Kichererbsen. So geht das weiter und weiter und zaubert dem Leser meistens ein tolles Lächeln auf das Gesicht.
Einzigartig sind vermutlich auch die Punk-Einflüsse. Das Buch trägt nicht umsonst den Untertitel "Mehr als 200 vegane Punk-Rezepte". Jedes Rezept wird mit Musikvorschlägen ergänzt. Ich gestehe allerdings, ich habe die Musik dazu nie gehört, weil das nicht mein Musikgeschmack ist. Lustig ist es aber allemal. Die Hinweise und Anekdoten enden aber nicht dort. Auch in die Rezeptanleitungen sind sehr oft lustige Aspekte mit eingebaut. Statt "Nudeln ins kochende Wasser geben" steht da zum Beispiel: "4. Nudeln schon im Wasser? Prima" (S. 87). Statt "Bohnen putzen" steht dann da "Zuerst widmen wir uns den Bohnen. Entweder taut ihr die auf, wie auf der Packung beschrieben, oder ihr habt frische gekauft und habt jetzt die Arbeit damit." (S. 96).
Am allerlustigsten ist der erste Hinweis bei der Rote-Linsen-Suppe: "1. Warte noch mit der Platte, wir beginnen mit Kartoffelschälen, eine Tätigkeit so hässlich wie die Stille selbst. Deshalb kommt die Musik erst später." (S.38) Einzigartig, unique und zum Lachen - das ist das Ox-Kochbuch!
Was dem Buch leider fehlt sind Hinweise zu Allergenen (zb. Gluten und Soja) sowie auch Zeitangaben.

Hummus-Indikator: Ein Hummusrezept ist vorhanden, allerdings ist das Rezept nur 1/3-Spalte lang. Die Autoren wussten vermutlich, wie banal diese Kichererbsenpampe ist, und wie oft es verbreitet wird. Es gibt allerdings Guacamole-Bonuspunkte, ergänzt durch Reiswaffel-Veggiemett (das ist so'n deutsches Ding und war 2013 DER Trend in veganen deutschsprachigen Gruppen...)

Umsetzbarkeit, Zutaten und Aufwand
Die wohl exotischsten Zutaten im Ox-Kochbuch mögen Seitan-Fix und Sojasahne sein. Das steht stellvertretend als Beispiel dafür, wie unaufgeregt die Rezepte mit exotischen Zutaten umgehen. Das Ox-Kochbuch ist von den Zutaten her so simpel gestrickt wie das Buch an sich gestaltet ist. Die Küche des Ox-Kochbuch ist eine Küche für Alternative Menschen, für arme StudentInnen oder das alleinerziehende Elternteil mit knappem Budget.
Ein Grossteil der Rezepte dürfte machbar sein, auch wenn man mitten in der Pampa wohnt, wo es nur einen Discounter gibt. Es wird viel mit frischem Gemüse, mit Hülsenfrüchten und simplem Tofu gekocht. Wenn man kein Seitan erhält, auch kein Problem: Die Autoren präsentieren sogar eine Anleitung, um Seitan aus Seitan Fix selber zu machen und zb. in grösseren Mengen einzufrieren.
Dank dieser zum Grossteil einfachen, schlichten und gemüselastigen Zutaten sind die Rezepte auch zu einem Grossteil sehr einfach und gut umsetzbar. In allen Rezepten, die ich ausprobiert habe, habe ich kein einziges Mal irgendwo einen Fehler entdecken können, geschweige denn eine unklare Ausführung oder auch Zutaten, die irgendwo vorkommen, aber in der Auflistung nicht, oder umgekehrt. Neben den wirklich klar und deutlich geschriebenen Verarbeitungsschritten scheint das Buch auch sehr gut und sehr detailliert redigiert worden zu sein. Das ist wirklich erfrischend und angenehm.
Der Aufwand der Rezepte hält sich in Grenzen. Natürlich gibts Rezepte, die etwas Vorbereitung erfordern, wenn man beispielsweise Dinkelkörner am Vortag einweichen muss, oder Sojaschnetzel in Brühe einlegen soll. Die Autoren geben aber auch immer Altenrativen an, zb. den Schnellkochtopf für den Dinkel, oder Bohnen aus der Dose.
Fehlende Zeitangaben verhindern, dass ich nun genaueres darüber sagen könnte, wie sich die Autoren ihre Rezepte in der Umsetzung vorstellen. Aus meiner Erinnerung aber gabs eigentlich kein Rezept, dass deutlich länger als 30 Minuten gedauert hätte. Ich bin allerdings eine schnelle Schnipplerin.

Nachgekochte Rezepte
Augrund meiner Weight-Watchers-Karriere habe ich mich vor allem auf fettarme, sättigende Rezepte beim Nachkochen beschränkt. Die Kategorie Süsses fiel weitgehend weg. Von mir gut ausgetestet wurden vor allem die Kategorien Salat und Hauptspeisen. Dies geschah alles im Rahmen der Kochbuch-Challenge.
Es gibt für mich nur ein Wort, um das Ox-Kochbuch zu beschreiben: Genial! Ich habe soviele Rezepte nachgekocht, und ein Grossteil davon erhielt die Note Sehr gut. Mehrere Rezepte wurden auch Omnivoren serviert, die sie allesamt als genial bezeichnet haben. Meine Oma beispielsweise schwärmt noch heute vom "Thai-Soja-Schnetz", dass ich ihr zu Nudeln serviert habe. O-Ton: "Das schmeckt wirklich wie echtes Fleisch!".
Die Rezepte zeugen von einer hohen Kochkunst und Lebensmittelkunde der Autoren an sich. Das äusserte sich vor allem dadurch, dass ich eigentlich fast kein Rezept nachwürzen oder verändern musste. Das kommt bei mir eher selten vor - für meinen Gaumen sind Rezepte sehr oft ein wenig zu lasch oder zuwenig gut gewürzt.

Lieblingsrezept: Geschnetzeltes nach Gyros-Art, Thai-Soja-Schnetz, Rote-Linsen-Suppe mit Aufstrichpotenzial

Fazit
Das Ox-Kochbuch war für mich bereits nach einigen wenigen Rezepten ein klarer Kaufempfehlungskandidat. Diese Meinung hält sich bis heute. Wer ein Kochbuch sucht, dass vor Witz und Charme sprüht, dass korrekte und klare Informationen vermittelt, ohne auf B12-Lügen und Mythen hereinzufallen, dessen Rezepte fast immer gelingsicher sind, und dazu auch noch schmecken, wer ein Kochbuch sucht, dass ohne Superfoods und allzu teuren Produkten aus dem Veganversand oder Bioläden auskommt, der ist mit dem Ox-Kochbuch bestens bedient! Neben dem Veganomicon ist dies meine zweite klare Kaufempfehlung, wobei das Ox-Kochbuch den Vorteil hat, in deutscher Sprache als Ursprungssprache geschrieben worden zu sein. Die Veganomicon-Übersetzung ist relativ mies, und englisch muss man auch erstmal können. Zudem gibts im Ox-Kochbuch keine Ami-Produkte, die bei uns meistens nicht so gut erhältlich sind.
Wertung: 5 von 5 Sternen

Cheers!

Rose

Getestete Rezepte
Allzweck-Kartoffelsalat; Black is beautiful-Salat; Bohnensalat Mallorquin; Frühlinxsalat; Krautsalat mit Oliven; Marrokanischer Couscoussalat; Sauerkrautsalat; Fruchtiges Leckerschmeckerdressing ohne Öl; Brunis Linsensuppe; Chinakohlsüppchen; Rote-Linsen-Kartoffelsuppe mit Aufstrichpotential; Curry-Kokos-Suppe mit Tofu; yummi Wirsingsuppe; Töfte Köfte; Geschnetzeltes nach Gyros-Art; Couscous mit Paprika; Fränkisches Nazi-Goreng; Sauerkrautauflauf mit Kartoffelpüree; Tofu-Linsen-Bolognese; Körnerzeugs mit Paprikagemüse; Giggle-pot; Turbopfanne mit Mangold; Kräutergnocchi; oven baked white beans; Seitan selbst gemacht; Thai-Soja-Schnetz

Montag, 1. Februar 2016

Bullshitfreie Kochbuchrezension: "Veganomicon" - Romero/Moskovitz (Vol. 1)

Disclaimer: Diese Kochbuchrezension erschien zuerst auf meinem alten Blog Rose-kocht-vegan.blog.de. Blog.de hat den Dienst eingestellt. Ich übernehme die alten Einträge in der nächsten Zeit und nütze die Gelegenheit, einige Rechtschreibfehler zu korrigieren, Angaben zu ergänzen und Formatierungen zu verbessern. Ich habe mir zudem erlaubt, den Titel der Rezensionsreihe etwas zuzuspitzen. Datum des Originaleintrags: 18. August 2014

Wie versprochen starte ich heute mit meiner losen Serie von Kochbuchrezensionen. Als erstes möchte ich mit dem Veganomicon anfangen, weil es meiner Meinung nach seinen Ruf im Amiland als "Vegane Kochbuchbibel" zurecht verdient.
Ich werde in meinen Rezensionen generell nach demselben Muster vorgehen und habe mir dafür schon eine Vorgehensweise überlegt. Es kann aber sein, dass ich später finde, es gehört noch ein weiterer Aspekt in die Rezensionen rein. Fall dem so wäre, würde ich dies natürlich auch bei älteren Rezensionen nacholen.

Gebrauchsspuren inklusive
Let's start!

Generelle Informationen
Veganomicon: The Ultimate Vegan Cookbook
Autoren: Terry Hope Romero, Isa Chandra Moskovitz
Erschienen: Oktober 2007 (Deutsche Ausgabe erhältlich seit 2014)
Preis: Zwischen 15 und 22 Euro
Verlag: Da Capo PR (De: NeunZehnVerlag)
Diese Rezension bezieht sich auf die englische Ausgabe. In meinem Besitz befindet sich das Buch seit April 2012. 


Grafik, Design und generelles Aussehen
Das Buch ist ein Hardcoverbuch mit stabilem Einband. Die Texte sind gut zu lesen, die Schrift ist nicht zu klein. Obwohl es ein Hardcover ist, liegt das Buch auch offen auf dem Tisch, wenn man daraus was nachkocht. Man muss die Seiten also nicht mühsam beschweren. Das Buch ist generell recht gross, grösser als Format A4. Das macht es etwas unhandlich, dafür ist es aber vom Gewicht her nicht so schwer, wie man es bei einem Buch in dieser Grösse vermuten würde.
Das Design ist in Türkis-Blau-Grün-Tönen gehalten, mit gelben Tupfern. Ich finde es sehr angenehm zu lesen. Die Schrift ist einfach und schnörkellos. Tipps und Tricks sind deutlich von den aktuellen Rezepten unterscheidbar, sei es, ob die Infos in speziellen Kästchen zu finden ist, oder ob Tipps oder Hintergrundwissen in kursiver Schrift gesetzt wurde. Die Zutatenliste ist auch sehr gut von den Rezeptanweisungen differenzierbar.
Wie bei fast allen englischsprachigen Kochbüchern wird darauf verzichtet, jedes Bild als Fotografie zu präsentieren,. Stattdessen finden sich in der Mitte des Buchs eine Bildersammlung mit Bildern von ungefähr 25-40 Rezepten (genau nachgezählt habe ich nicht). Das macht das Buch (vermutlich) physisch um einiges leichter, aber es kann auch als Nachteil empfunden werden. Ich persönlich brauche nicht für jedes Rezept ein Bild.
So sieht's aus














Inhalt
Das Veganomicon ist kein "Themen"-Kochbuch - im Gegenteil. Es will einen Grossteil dessen abdecken, was in der (amerikanischen) Alltagsküche Usus ist. Man merkt den Fokus auf die amerikanischen Essgewohnheiten, aber das ist nachvollziehbar - schliesslich ist das Kochbuch von zwei Amerikanierinnen geschrieben, die sich halt auch so ernähren. Moskovitz ist zudem von jüdischer Abstammung, weswegen es auch Rezepte aus der jüdischen Kochtradition beinhaltet. Ein Beispiel hierbei ist der superleckere, deftige Wintereintopf "Cholent", der eines meiner ersten Rezepte war, das ich nachgekocht habe.
Zu Beginn des Buches finden sich allerdings nicht sofort Rezepte. Etwas mehr als 40 Seiten sind Hintergrundinformationen, die ich als Vegane Einsteigerin wirklich sehr nützlich fand. Moskovitz/Romero verzichten dabei, viele Worte über gesundheitliche Vorteile von Veganismus zu verlieren. So tappen die Autorinnen auch nicht in Fehlinformations-Fallen, was sie mir sehr sympatisch machen. Sie geben stattdessen handfeste, praktische Tipps wie:
Was gehört in den veganen Einkaufsschrank?
Welche Utensilien werden benötigt?
Was sind eigentlich besondere Zutaten, die man vielleicht nicht kennt?
Besonders genial fand ich die Angaben darüber, wie und wie lange man alle möglichen Hülsenfrüchte und Getreidesorten kocht, aber auch, welche Gemüse sich für welche Zubereitungsarten eignen, und wie man sie pimpen kann. Ich fand das echt supergut und ich schlage auch heute noch nach. Dank dem Veganomicon ist es mir zum ersten Mal gelungen, Bohnen so zu kochen, dass sie nicht hart waren am Ende (Salz weglassen!)

Die restlichen Seiten sind den Rezepten geschuldet. Die Rezepte sind nach ihren Kategorien im Essens-Alltag geordnet. So beginnt der Rezeptteil z.B. mit einem Kapitel über "Snacks, Appetizers, Little Meals, Dips and Spreads", gefolgt von "Brunch" und "Salads and Dressings". Eine grössere Sektion heisst "Mix and Match", wo zuerst Gemüse-, dann Getreide-, dann Bohnen- und zum Ende Seitan-,Tofu und Tempeh-Rezepte vorgestellt werden. Die Idee wäre wohl, dass man hier beliebig mischt. Es gibt aber auch eine Kategorie zu Salaten, und eine weitere zu besonderen Dressings.
Hierbei geraten die Rezepte manchmal ein wenig in ein gefühltes inhaltliches Chaos, aber sehr ausführliche Indices am Ende des Buches sowie Menüvorschläge helfen darüber hinweg.
Für vegane Einsteiger gibt es auch viele Basic-Rezepte, beispielsweise, wie man Seitan aus Glutenmehl selber herstellt, wie man vegane Mayo macht, und wie man ne Käsesauce für das typisch-amerikanische Gericht Mac'n'Cheeze macht. Im Gegensatz zu vielen anderen Kochbüchern fand ich die Tipps sehr brauchbar und vor allem vollständig. Mittlerweile sehe ich aber auch, dass ich dies vor allem gut fand, weil ich veganer Einsteiger war. Heute nerven mich solche Rezeptsammlungen eigentlich eher ein wenig. Von diesen Grundbasic-Rezeptsammlungen finde ich dasjenige vom Veganomicon aber noch am ehesten akzeptabel, weil es eben sehr ausführlich ist, und zudem passt es in das Gesamtkonzept des Buches - viel besser als bei anderen Büchern.

Generell punktet das Veganomicon durch bunte Symbole, die diverse Kategorien/Kriterien bei einem Rezept übersichtlich angeben. Darunter fallen Hinweise, ob das Gericht Gluten oder Soja enthält, ob es schnell (unter 45 Minuten) zubereitet werden kann, oder ob die Zutaten in normalen Supermärkten zu bekommen sind. Da ich mich weder soja- noch glutenfrei ernähre, war das für mich nicht wirklich ausschlagebend. Es verdient dennoch einen Beachtungs-Bonus, weil das vielen Leuten wichtig ist.

Da man in jedem veganen Kochbuch ein Hummus-Rezept findet, gibts bei jeder Kochbuchrezension auch noch den Hummus-Indikator. Auf eine ironische Art und Weise möchte ich damit andeuten, das gewisse Basic-Rezepte nun wirklich in jedem veganen Kochbuch vorkommen - und eigentlich auch weggelassen werden können. Solche Rezepte nenne ich auch gerne "Füll"-Rezepte.

Hummus-Indikator: 2 Hummusrezepte bei 250 Rezepten. Guacamole-Bonuspunkte.


Umsetzbarkeit, Zutaten und Aufwand
Die Umsetzbarkeit bei den Rezepten stufe ich als sehr hoch ein. Es gab kein einziges Rezept, dass nicht geklappt hat. Auch die Angaben stimmen grösstenteils überein. Die Rezepte sind natürlich in amerikanischen Massen geschrieben - also Cups, Ounces und dergleichen. Aber auch hier kann man eigentlich recht gut improvisieren, ausser bei den Backrezepten, da sollte man genau sein. Mir hat meine Waage sehr oft geholfen, die neben Kilogramm und Liter/Milliliter auch Pounds+Ounces und Liquid Ounces anzeigen kann. Ansonsten hilft es auch, wenn man sich bei einem Gefäss den Stand von 225 ml Wasser mit einem wasserfesten Marker markiert. Ein "Cup" ist nämlich das Volumen von 225 ml Wasser, und das kann man dann entsprechend verwenden. (In grösseren Läden sind zudem auch genormte Cup-Massbecher erhältlich.)

Die Zutaten sind mit einigen wenigen Ausnahmen generell im Supermarkt oder Bioladen/ Reformhaus locker zu bekommen. Einige wenige Dinge sind derart exotisch, dass man sie hier kaum bekommt. Das kreide ich den Autorinnen aber nicht an, denn ich habe es so verstanden, dass diese Dinge in den USA sehr oft sehr verbreitet sind. Dass sie in Europa nicht erhältlich sind, dafür können die amerikanischen Autorinnen ja nichts. Ein Beispiel dafür wäre das Gemüse "Jicama", dass es in Europa nicht gibt (oder zumindest in meiner Stadt nicht.) Einiges weniges bekam ich auch im Asialaden. Es werden aber auch Alternativen angegeben, falls nötig.
Bei einigen Produkten betreiben die Autorinnen zudem Warenkunde. So erklären die Autorinnen beispielsweise ausführlich, was unter "French Lentils" zu verstehen sei. Das fand ich dann eher niedlich. Negative Punkte gibt es nur für den Flüssigrauch. Den kriege ich hier wirklich nirgends, wird aber gerade bei Moskovitz' Rezepten sehr oft eingesetzt (mehr dazu auch in Rezensionen ihrer zwei anderen Bücher). Fairerweise muss ich aber sagen: die Gerichte schmecken auch ohne Flüssigrauch gut.
(Anmerkung 2016: Mittlerweile haben sich in der Schweiz mehrere Flüssigrauch-Quellen aufgetan. Ich leide nicht mehr unter akutem Liquid-Smoke-Mangel.) 

Die Zeitangaben stimmen generell gut überein mit den Vorschlägen. Meistens war ich auch eher etwas schneller. Die Reihenfolge der Arbeitsschritte ist nachvollziehbar und passt gut. Man hat keine unnötigen Wartezeiten.

Nachgekochte Rezepte
Im Rahmen meiner extensiven veganen Kochbuchchallenge (im Jahr 2013) habe ich einige Rezepte aus dem Veganomicon nachgekocht. Da ich das Buch aber seit April 2012 besitze, habe ich vieles bereits vorher nachgekocht, ohne ein Foto zu machen. Mein Schwerpunkt beim Nachkochen lag aufgrund meiner Weight-Watchers-Karriere eher bei den salzigen Hauptspeisen und kleinen Dips, weniger auf Broten, Cookies, Fettigem und Kuchen. Die Rezepte bewegten sich zu einem grossen Teil in der eigenen Bewertung zwischen 4 und 5 Sternen. Nach dem Fazit kann man lesen, welche Rezepte ich alle nachgekocht habe bis zum heutigen Tag.

Lieblingsrezept(e): Cholent, Lemony Roasted Potatoes, Tempeh Shepherdess Pie

Fazit
Das Veganomicon erfüllt, wie ich in der Einleitung geschrieben habe, seine prophezeite Rolle als vegane Kochbuchbibel durchaus. Eine tolle Vielfalt an Aromen, Rezepten und Genüssen, die sich in den meisten Fällen als sehr lecker herausgestellt haben.
Die Rezepte sind gut getestet, gut beschrieben und funktionieren von ihren Arbeitsschritten und ihrer Zeitdauer her gut. Die Zutaten sind zu einem grossen Teil leicht erhältlich oder ersetzbar. Mit dem ausfürhlichen Einstieg in die Zubereitungsarten und der Einführung in einen veganen Vorratsschrank, der Abdeckung sämtlicher möglicher Koch-Lebenslagen stellt das Veganomicon meiner Meinung nach der perfekte Kochbuch-Einstieg für vegane Neulinge dar, die sich in der Küche bereits einigermassen auskennen.
Totale Kochnoobs könnten von gewissen Rezepten und vor allem den fehlenden Bildern leicht bis mittelschwer überfordert sein. Da das Buch jetzt auch in Deutsch erhältlich ist, gibt es meiner Meinung nach nichts anders zu sagen als: Klare Kaufempfehlung. Das Buch hat sich zu meinem Lieblingskochbuch gemausert, und da wird es vermutlich auch noch eine Weile bleiben. Rating: 5 von 5 Sternen.
(Anmerkung 2016: Die deutsche Übersetzung soll offenbar nicht so gut sein. Beim Kauf eventuell auf spätere Auflagen achten.)

Cheers!
Rose

Getestete Rezepte:
White Bean Aioli, A Hummus Recipe, Lower-fat Cauliflower Hummus, Guacamole, Blue Flannel Hash, Corn and Edamame Sesame Salad, Lentil Salad, Brooklyn Deli Macaroni Salad, Black Bean Burgers, Lemony Roasted Potatoes, Broccoli Polenta, Chickpea-Quinoa-Pilaf, Fresh Dill-Basmati Rice with Chard and Chickpeas, Tomato Couscous with Capers,  Saffron Garlic Ric,e Chickpeas Romesco, Basic Broiled Tofu, Curried Tofu, Simple Seitan, Seitan Cutlets, Chickpea Cutlets, Broccoli-Potato Soup with Fresh Herbs, Chickpea-Noodle Soup, Porcini-Wild Rice Soup, Double Pea Soup with Roasted Red Peppers, French Lentil Soup with Tarragon and Thyme, Midsummer Corn Chowder with Basil, Tomato and Fennel, Roasted Yellow Pepper and Corn Bisque, Smoky Red Peppers'n'Beans Gumbo, Seitanic Red and White Bean Jambalaya, Leek and Bean Cassoulet, Lentils and Rice with Caramelized Onions, Tomato and Roasted Eggplant Stew with Chickpeas, Braised Seitan with Brussels, Kale, and Sun-Dried Tomatoes Cholent, Parsnip Chips, Red Lentil-Cauliflower Curry, Spaghetti and Beanballs, Spicy Tempeh and Broccoli Rabe with Rotelle, Spinach Linguine with Basil-Cilantro Pesto and Artichockes, Mushroom Gravy, Jalapeno-Corn-Gravy, Lemon Bars, Samosa Stuffed Baked Potatoes, Creole Stuffed Peppers, Chestnut-Lentil-Paté, Herb-Scalloped Potatoes, Soft Poppy-Seed Polenta, Mexican Mille, Messy Rice, Rustic White Beans and Mushrooms, Tamarind Lentils, Black Bean-Vegetable Soup, Lime Creme, Tomato-Rice-Soup with Roasted Garlic and Navy Beans, Hot and Sour Soup with Wood Ears and Napa Cabbage, Tempeh Shepherdess Pie, Plantain and Pinto Stew, Spicy Tempeh and Broccoli Rabe with Rotelle, Pasta della California