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Sonntag, 21. August 2016

Bullshitfreie Kochbuchrezension: "Kick it vegan" - Lauber (Vol. 10)

Zurzeit warten bei mir vier Kochbücher darauf, rezensiert zu werden. Ilja Lauber's „Kick it vegan!“ wartet schon am längsten. Deswegen gehts dem Buch heute an den Kragen wird das Buch heute rezensiert. ;)
Hinweis bereits am Anfang: Das Buch habe ich mir auf die Empfehlung der Autorin hin besorgt (aber selber gekauft!) Ich bin auf Facebook mit der Autorin befreundet und stehe ab und an in Kontakt mit ihr. Ich denke nicht, dass das meine Rezension beeinflusst, aber möchte es der Transparenz halber bereits eingangs erwähnt haben.

Generelle Infos
"Kick it vegan! - Fit werden mit 130 Power-Rezepten"
Autorin: Ilja Lauber
Erscheinungsdatum: 2014 (1. Auflage)
Preis: ca. 20 Euro
Sprache: Deutsch
Verlag: Neunzehn

Grafik, Design und generelles Aussehen
„Kick it vegan!“ ist ein solider Wälzer. Im Format grösser als A4, fast zwei Zentimeter breit und mehr als ein Kilogramm schwer ist es nicht unbedingt für das Reisegepäck oder die Handtasche geeignet. In der heimischen Küche macht es sich aber trotz der Grösse und dem Hardcover gut. Die Seiten fallen vielleicht gerade dank ihrem Eigengewicht schön zur Seite, wenn man das Buch offen aufschlägt, selbst bei den ersten oder letzten paar Seiten. Das Kochbuch hat zudem ein Leseband, mit dem man die aktuelle Seite markieren kann – etwas, das bisher keines meiner Kochbücher hat. „Kick it vegan“ ist generell von hoher Qualität: Die Seiten sind alle im Hochglanz gedruckt, der Einband hält die Seiten nach intensiver Benutzung und einem Umzug immer noch fest, und hat zudem noch nicht einmal eine Delle. Das Preis-Leistungsverhältnis erfüllt „Kick it vegan“ in diesem Bereich auf jeden Fall.

Im Buch wird ein recht klares, unaufgeregtes Design verwendet. Der Titel des Rezepts ist in einer Farbe gehalten, zum Beispiel Braun oder Grün. Für einzelne weitere Elemente des Rezeptes wird dieselbe Farbe erneut verwendet, zb. für das Wort „Zutaten“, oder die Umrandung der Nährwerttabellen. Für ein Rezept wird eine Farbe gewählt. Es dominiert grün, orange, braun und blau. Der restliche Text ist in Schwarz gehalten. Diese einzelnen dezenten Farbtupfer machen das Lesen sehr angenehm, da sie auch eine visuelle Orientierung ermöglichen. Das Auge weiss, wohin es schauen muss, um die Zutatenliste zu erkennen. Die gewählte Schrift ist ohne viele Schnörkel und gut lesbar. Dies trägt zum generellen Eindruck von hoher Qualität bei.  

Ich habe nicht genau nachgezählt, aber ich schätze, dass mindestens drei Viertel der gut 130 Rezepte im Buch mit einer Farbfotografie des Gerichtes illustriert sind. Die Fotos sind grafisch und von der Präsentation der Gerichte her von hoher Qualität, aber auch Schlichtheit, was mich persönlich sehr anspricht. Das Endresultat, das Gericht, steht im Vordergrund, nicht irgendwelche essbaren Blüten, ausgepresste Zitronenhälften oder von oben herab fliegende gehackte Kräuter, wie es irgendwie zunehmend in Foodblogs und Kochbüchern der Fall ist. 
Fotos finden sich auch im inhaltlichen Teil. Wir dürfen die Autorin beim Sporteln bewundern. Man merkt, dass Lauber Fitness, Körperkraft und Ausdauer schätzt. Auf Nahaufnahmen ihrer Muskeln oder der obligate Bizeps-Flex-Klimmzug-Liegestütz-Fotoshoot nach Art gewisser anderer Fitness-Veganismus-Gurus wird glücklicherweise verzichtet. Das trägt zur unaufgeregten, unangeberischen, aber doch überzeugten Message bei, die das Buch vermitteln möchte.

Die Rezepte sind nach einem klaren Schema aufgebaut. Unter dem fett gedruckten Titel findet man die „Labels“. Lauber geht hierbei um einiges detaillierter vor als jedes Kochbuch, dass ich bisher in meinen Händen gehalten habe. Neben den relativ üblichen Labels wie „soyfree“ oder „glutenfree“ finden sich auch Labels wie „highKCAL“ oder „PROT“. Da sich das Kochbuch an eine ganze Reihe verschiedener Ess- und Sportkonzepte richtet, ist dies nachvollziehbar. Manche Rezepte haben mehr als sechs Labels, was teilweise etwas unübersichtlich wirkt. Für alle Rezepte gibt es allerdings neben dem alphabetischen Index auch noch einen Index mit tabellarischer Ausführung der Labels. So sieht man, welche Rezepte welche Kriterien erfüllen. 

Unterhalb der Labels findet sich eine kurze Ausführung der Autorin zum Rezept, beispielsweise woher die Inspiration für das Rezept stammte, oder eine Ausführung zu einer bestimmten Zutat. Die Ausführungen sind selten länger als zwei Sätze, geben den Rezepten aber auch einen angenehm persönlichen Touch. 
Danach folgt auch schon das konkrete Rezept. Grafisch werden dabei zwei Spalten verwendet: Eine schmalere, rechtsbündige Spalte auf der linken Seite gibt Informationen darüber, mit welchen Küchengeräten gearbeitet wird und wie viele Portionen am Ende erwartet werden können. Darunter findet sich die Auflistung der benötigten Zutaten. Falls ein Gericht mehrere Komponenten hat, werden die Zutaten der einzelnen Komponenten grafisch voneinander getrennt. Dies hilft, den Überblick zu bewahren. 
Unter den Zutaten findet sich eine tabellarische Auflistung der Nährwerte und die Angaben zu Fett, Kohlenhydrate und Eiweisse. Genial ist hierbei, dass hier nicht nur die Angaben pro Portion genannt werden, sondern auch pro gesamte Endmenge, und pro 100 Gramm! Das ist echt vernünftig, gerade auch, wenn man nicht eine ganze Portion essen will oder konnte, oder wenn noch ein Nachschlag auf dem Teller landet. Wer seine Kalorien und/oder Makros notiert, der dürfte sich an diesen Angaben sehr erfreuen.

Inhalt
„Kick it vegan“ ist nicht nur ein Kochbuch. Es nur als Kochbuch zu behandeln, wäre dementsprechend falsch, denn ein guter Drittel der Seiten behandeln nicht direkt Rezepte. In diesem Sinne ähnelt die Aufmachung des Buches ein wenig dem Buch von Alicia Silverstone, das ich hier bereits auch schon rezensiert habe. Der Unterschied? „Kick it vegan“ ist alles andere als Bullshit. 

Der Untertitel des Buches lautet „Fit werden mit 130 Power-Rezepten“. Wer nun annimmt, dass das Buch ein Hildmann-Diätabklatsch ist, der liegt ziemlich daneben, denn „Kick it vegan“ will nicht einfach nur Menschen ansprechen, die abnehmen wollen. „Kick it vegan“ will aber auch nicht einfach nur vegane Rezepte liefern. „Kick it vegan“ richtet sich auch nicht nur an Pro-Bodybuilder, die 150g Protein am Tag zu sich nehmen. „Kick it vegan“ möchte sich an eine breite Masse an Leuten wenden, die unterschiedliche Ziele haben. Es geht um den Körper und es geht darum, seinen Körper vegan zu ernähren. Das ist aber auch schon die einzige konsequente Konstante im Buch. Das Buch soll weniger dazu dienen, Ernährungspläne vorgefertigt zu liefern, sondern eher dazu, dass man sich seinen eigenen, auf seine eigene Situation angepassten Ernährungsplan herstellen kann. Und selbstverständlich kann das ganze Sport-Makro-Nährstoff-Fitness-Gesundheits-Getexte am Anfang auch übersprungen werden, um nur die Rezepte zu geniessen. In diesem Sinne ist das Buch also eine Art Setzkasten. Dies erklärt auch das ausführliche „Label“-System, das ich oben schon erwähnt habe. Die ganzen Labels dienen dazu, sich zurechtzufinden, welches Rezept sich nun für die Art Ernährung eignet, die einem gerade vorschwebt.
Du willst mehr Protein? Schau dir die HighPROT-Rezepte an. Du willst bulken/zunehmen? Such dir die HighKcal-Rezepte raus. Abnehmen? Wie wärs mit den LowKCAL- in Kombination mit den „fiber“-Rezepten? Du bist ein armer Student? Kombiniere „cheap“ mit HighKcal!

Ideen und Labelzuweisung für Personen, denen es schwer fällt, oft/viel zu essen (S. 103)
So ein Multitalent an Kochbuch braucht auch einiges an Einführung. Bevor Lauber mit den Rezepten im vierten Teil anfängt, führt sie in mehreren Kapiteln in drei Teilen aus, was die Idee hinter dem Buch ist, was sie so antreibt und wer möglicherweise zur Zielgruppe das Buches gehört. Sympathisch ist hier, dass Lauber zwar schreibt, dass das Buch schon für Sportfreaks gedacht ist (oder solche, die es werden wollen), aber dass man auch bei anderen Motivationen hier Inspirationen finden kann. Desweiteren führt sie aus, was man „bekommt“ (nämlich Rezepte vorwiegend gedacht für verschiedene Arten Sportler), aber auch, was man nicht bekommt (zb. Diätkonzepte mit Abnehmgarantien usw.)

Im zweiten Teil „Warm up“ darf die Motivation hinter veganer Ernährung nicht fehlen. Erfrischend ist hier, dass gesunde, vegane Ernährung zwar im Vordergrund des Buches steht – die Hauptmotivation, vegan zu sein oder sich öfters vegan zu ernähren, ist aber hauptsächlich ethisch/moralisch und teilweise ökologisch, aber nicht gesundheitlich begründet. Lauber geht sogar davon aus, dass „Schönheit“ und „Fitness“ nur begrenzt geeignete Gründe sind, sich vegan zu ernähren. Veganismus sei auch „kein universelles Wunderheilmittel“ (S. 16). Fragwürdige Argumente wie „der Mensch hat sich immer schon vegan ernährt“ werden ebenso entkräftet wie das Argument der „Natürlichkeit“. Meines Erachtens nach gelingt es Lauber hier gut, die Vorteile von Sport und Fitness, die grundsätzlich für jeden Menschen erstrebenswert sein können, neutral und nicht verknüpft mit den Vorteilen und Motivationen des Veganismus' zu präsentieren. Sport ist gut, Veganismus ist gut, aber weder ist Sport ein Bestandteil von Veganismus, noch kann man Fitness und Sport nur mit Veganismus erreichen. Diese Haltung zieht sich durch das ganze Buch, was es zu einer guten, bullshitfreien Ressource für sportbegeisterte oder -interessierte Veganer, oder veganismusinteressierte Sportler macht.

In den folgenden Abschnitten behandelt das Buch alle möglichen Aspekte von Sport, Ernährung, Makro- und Mikronährstoffen, „Clean-Eating“ und so weiter. An dieser Stelle wäre es unmöglich, alles aufzuführen und zu kritisieren. Grundsätzlich lässt sich aber sagen, dass die Informationen, die der Leser erhält, wissenschaftlich korrekt sind. Im kleinen „Vegan-1x1“ wird korrekt informiert, dass es keine Zauberei ist, sich ausgewogen vegan zu ernähren, dass man aber auch nicht blindlings einfach loslegen sollte, sondern sich ein gewisses Grundwissen erarbeiten soll. Dazu gehört auch die B12-Supplementierung mit regelmässigen Bluttests. Lauber erklärt dem Leser hier sogar den Unterschied zwischen Holo-TC und Homocystein-Tests beim Arzt, und warum es eben wichtig ist, nicht nur den Blutwert zu bestimmen. (Und wir befinden uns erst auf S. 19!)
Beachtenswert ist zudem, wie die Autorin mit dem Thema „gesunde Ernährung“ umgeht. Sie sagt selber, dass sie das Wort „gesund“ nicht so mag, und verwendet lieber den Begriff „Clean Eating“. Auch dieser Begriff ist mittlerweile ideologisch recht aufgeladen. Lauber umgeht das Problem insofern, dass sie sich klar gegen „Glaubenskirchen“ - sprich Diät- und Ernährungsideologien – ausspricht, aber auch, indem sie ihre Vorstellung von „Clean Eating“ klar definiert. Der Fokus liegt auf einer guten Versorgung mit Nährstoffen und mit Lebensmitteln, die einem die Art von Energie geben, die man für das eigene (sportliche) Ziel benötigt. Die Prämissen seien „Frisch“, „Primär“ und „Vielseitig“ - aber gleichzeitig wird nichts per se als „gut“ oder „schlecht“ eingestuft. Wer sich wegen einem konsumierten Nahrungsmittel gleich geisselt, der mache niemandem und schon gar nicht sich selber eine Freude.
Nur an wenigen Stellen ist die Wortwahl oder Satzformulierung etwas gewagt, wie beispielsweise beim Wort „Chemiebaukasten“ (S. 25) oder bei der Erwähnung von „gentechnisch veränderten Mikroorganismen“ ohne weiteren Kontext. Alles in allem ist dieser Abschnitt über „Clean Eating“ ist einer der grundsätzlich besten sowie auch wissenschaftlich fundiertesten, die ich von veganen Autoren gelesen habe.

Nach dem Bereich über Clean Eating folgt ein Abschnitt über Bio-Lebensmittel. Auch wenn die Autorin hier einige positive Punkte anspricht, hat mich dieser Abschnitt im Buch am meisten gestört, denn er erschien mir am wenigsten fundiert bzw. hinterfragt. Klar ist Demeter mal grundsätzlich ein Biolabel. Das für Demeter die Viehhaltung aber Pflicht ist und dass dort esoterische Praktiken (wie das Vergraben von Kuhhörnern) Pflicht ist, macht das Label für mich alles andere als vegan. Zudem stehen wir beim Biolandbau auch vor der grossen Problematik, dass zwar einerseits teilweise umweltschonender gepflanzt wird, andererseits ist Bio-Landbau deswegen problematischer, weil der Ertrag grundsätzlich niedriger ist, und weil eine teilweise unwissenschaftliche Anti-GMO-Haltung kombiniert mit naturalistischen Fehlschlüssen die Gesetz- und Richtliniengebung in diesem Bereich prägt. Da hätte ich mir noch eine deutlich differenziertere Auseinandersetzung gewünscht.

Das ist dann aber auch der einzige relevante Kritikpunkt am Informationsteil von „Kick it vegan“, und auch ein wenig die Suche nach der Nadel im Heuhaufen oder dem Haar in der Suppe. Die Informationen, die der Leser bekommt, sind grundsätzlich von hoher Qualität, wissenschaftlich fundiert, frei von Logikfehlern und sie werden undogmatisch und relaxt präsentiert. Die Teile über Ernährung, deren Bestandteile und die Funktionsweise unseres Körpers sind informativ und erhellend für Leute, die bisher im Biologieunterricht nicht aufgepasst haben (oder schlechte Lehrpersonen hatten). Grundsätzlich wird hier ein sehr guter Grundstein gelegt für den Einstieg oder eine Vertiefung in eine ausgewogene und reichhaltig-gesunde vegane Ernährung, oder eine auf die eigenen körperlichen oder sportlichen Ziele und Wünsche zugeschnittene Ernährung. Und wer nicht weiss, wie man überhaupt mit dieser Art Ernährung startet, für den hält Lauber eine ausführliche Auflistung an benötigten und speziellen Küchengeräten, Empfehlungen für den veganen Vorratschrank und eine detaillierte Warenkunde bereit. So kann's losgehen mit der veganen Powerküche!

Zu den Rezepten
Das Buch enthält mehr als 130 Rezepte, die in verschiedene Kategorien gegliedert sind. Bevor der Leser die Rezepte entdecken darf, führt eine ausführliche Legende in die unterschiedlichen Kategorien der Labels ein und erklärt, was damit genau gemeint ist.
Dann wird gestartet mit den „Basics“. Hier findet man Klassiker wie ein Seitanrezept, aber auch ungewöhnliches wie beispielsweise die Methode, Hülsenfrüchte einzukochen, oder Sojasahne selber herzustellen. Es sind also wirklich die Basics der Basics, und weniger eine Veganisierung von omnivoren Standardrezepten. Auch wenn ich das Rezept nicht probiert habe, fand ich es erfrischend, endlich mal ein Rezept für diesen ominösen „Hefeschmelz“ zu finden, von dem ich überall gelesen hatte, aber keine Ahnung hatte, wie man den herstellen soll.
Desweiteren folgen die Kategorien „Suppen und Salate“, gefolgt von den „Hauptgerichten“. Hier finden sich Sachen wie Burger und Pizza, aber auch klassische Beilagen wie „Ofengemüse“, die allerdings im Labelsystem durchaus auch als Hauptgericht gedacht sind. In der nächsten Kategorie finden sich „Snacks und Beilagen“. Hier hatte ich den Eindruck, dass auch einige klassische Frühstücksgerichte darin zu finden sind wie beispielsweise Rezepte zum Herstellen eigener Knuspermüslimischungen, oder ein überaus leckeres Buchweizenporridge.
In der Kategorie „Sweets und Desserts“ findet sich alles für den süssen Zahn. Auch hier erfüllt Lauber das Versprechen, Süssigkeiten für verschiedene Ernährungsformen zu präsentieren. Ein grosser Teil der Rezepte sind beispielsweise für Desserts unüblich reich an Proteinen oder arm an Kohlenhydraten.
Im nächsten Kapitel „Aufstriche und Dips“ findet sich alles für das süsse oder salzige Bestreichen des Brotes (oder Dippen, oder was auch immer). Vom klassischen Hummus, über einer weissen Schokoladencreme bis hin zu einem Tempeh-Paté findet sich für jeden Geschmack etwas.
In einem Buch, dass sich vor allem an Sportler richtet, darf die Kategorie „Drinks und Shakes“ natürlich nicht fehlen: Neben dem klassischen grünen Smoothie kann man eine Vanillemilch, ein Mango-Lassi oder auch eine „SteCola“ schlürfen und geniessen.

Die Inspiration für die Rezepte sind vielfältig – es scheint, als kämen Sachen aus der ganzen Welt zusammen, aber auch veganisierte Rezepte von der deutschen Grossmama dürfen nicht fehlen. Für den durchschnittlich-mitteleuropäischen Gaumen dürfte eine grosse Auswahl vorhanden sein.

Bei vielen Rezepten werden nach den Arbeitsschritten auch noch Variationen oder „Tuning“-Varianten aufgelistet. Wer ein niedrigkalorisches Rezept zubereitet, der bekommt also in vielen Fällen beispielsweise noch Optionen aufgelistet, wie man mehr Proteine oder mehr Kalorien zufügen könnte. Umgekehrt konnte ich einige Rezepte, die hochkalorisch waren, noch etwas runterschrauben in der Gesamtkalorienzahl. Auch Allergikern werden hier manchmal Optionen geboten, ein Gericht mit einfachen Veränderungen zum Beispiel sojafrei zu machen. Dies erhöht die Chance, dass man sich in mehr Gerichten „wiederfindet“ und sie nachkochen will.

Hummus-Indikator: Dingdong! :P (Ein bisschen erinnert mich der Chia-Kaviar zudem an die Instagram-gehypten Chia-Marmeladen. Aber ich lass das mal durchgehen!)

Umsetzbarkeit, Zutaten und Aufwand
Eines der heikleren Basic-Rezepte, das Sojajoghurt, hat bei mir nicht funktioniert. Da vermute ich aber, dass der Fehler bei mir liegt. Lauber schreibt auch, dass einiges schiefgehen kann. In meinem Fall kam leider kein Sojajoghurt, sondern eine Fäden ziehende schleimige Pampe raus. Da wollten die guten Bakterien nicht wirklich. Abgesehen von diesem Rezept war die Umsetzbarkeit der Rezepte grundsätzlich gut. Die Arbeitsschritte waren nachvollziehbar, machten Sinn, und gemäss meinen Notizen habe ich auch keine grösseren Unklarheiten bemerkt.
Einzig bei der Dosierung von Stevia hätte ich mir eine andere Angabe als „DL“ (Dosierlöffel) gewünscht. Erstens kommt kein Stevia in der Schweiz mit einem Dosierlöffel, zweitens könnten Dosierlöffel ja unterschiedlich gross sein. (Addendum: Die Dosierung wird im vorbereitenden Teil angegeben. Dies habe ich überlesen. Damit fällt der Kritikpunkt weg.)

Der Aufwand hält sich bei den meisten Rezepten in einem angemessenen Rahmen. Gerade die Snacks, Aufstriche und Getränke sind in vielen Fällen sehr rasch zusammenmix- und -mischbar. Leider fehlen bei den Rezepten übersichtlich dargestellte Zeitangaben, die ich grundsätzlich in Kochbüchern als Dienst am Leser sehr schätze.

Die verwendeten Zutaten sind mittelschwer besorgbar. Ein Grossteil ist im durchschnittlichen Supermarkt erhältlich. Für einige Sachen muss man sicherlich einen Bioladen oder ein Reformhaus bemühen, beispielsweise für Sojamehl oder Seitan fix, für Lupinenmehl, Stevia und das sehr oft verwendete Erythrit oder auch Kichererbsenmehl. Wer keinen dieser Läden in der unmittelbaren Umgebung hat, oder aus diversen Gründen solche Zutaten auch nicht online bestellen kann, der muss sich bei einigen Rezepten Varianten überlegen.
Einige Rezepte verwenden zudem veganes Proteinpulver. Wer zuhause nicht schon einen (geschmacksneutralen!) Favoriten hat, könnte hier auch noch in die eine oder andere Ausprobier-Falle treten. Ich selber habe mich noch nicht an Proteinpulver herangewagt, aber schon gehört, dass das sehr geschmacksabhängig sind.
Als Schweizerin habe ich noch einen etwas anderen Blick auf Zutatenlisten von Kochbüchern von deutschen Autoren. Einige Sachen bekommt man so in der Schweiz nicht. Grünkohl lässt sich beispielsweise nur frisch kaufen (wenn überhaupt), und nicht in Gläsern. Wenn man eine Pilzmischung im Tiefkühlabteil des Supermarktes findet, ist es selten eine „Asiapilzmischung“. Und „Bratfischgewürz“ ist auch etwas sehr deutsches. Mit ein bisschen Recherche und Abwandlungen kriegt man das aber auch hin. (Ich habe beispielsweise vergebens nach Erythrit Ausschau gehalten, und schliesslich beschlossen, einfach Stevia zu verwenden, oder es ganz wegzulassen.)

Nachgekochte Rezepte
Ich habe im Jahr 2014 und 2015 insgesamt 31 Rezepte aus „Kick it vegan“ nachgekocht. Grundsätzlich ernähre ich mich eher mit wenig Fett und mit Nahrungsmitteln von geringer Energiedichte, da ich übergewichtig bin und eher abnehmen möchte. Aus diesem Grund habe ich mich vor allem an Rezepte mit den Labels „LowKcal“ oder „LowFat“ gehalten. Gehalten habe ich mich vor allem an Rezepte aus den Bereichen der Suppen und Salate, Hauptspeisen und Beilagen. Basics habe ich nur wenige ausprobiert, ebenso kaum Aufstriche und Dips. Die meisten Aufstriche waren süss, und ich bin eher die salzige Brötchenbeschmiererin. Dazu kommt, dass einige Kategorien für meinen Ernährungsstil besser geeignet waren als andere. Die Rezepte bei den Suppen und Salaten sind fast alle niedrigkalorisch, während die Aufstriche und Dips fast alle hochkalorisch sind. Grundsätzlich zeigt sich da ein wenig das Problem bei der grossartigen Vielfalt und dem Wunsch der Autorin, Rezepte für alle möglichen Ernährungsstile zu liefern: Wer sich versucht, nach einem gewissen Stil zu ernähren, in meinem Falle kalorien- und fettarm, dem entgehen einige toll aussehende leckere Rezepte, die für den genau entgegengesetzten Ernährungsstil (zb. hochkalorischer Bulk) gedacht sind.
Wer das Buch allerdings einfach als generelle Rezeptequelle sieht, den dürfte das nicht betreffen.

Die Rezepte, die ich ausprobiert habe, habe ich in meiner Rezeptdatenbank alle mit 3-5 von fünf Sternen bewertet. Drei-Sterne-Wertungen waren meistens meinem eigenen Geschmacksempfinden geschuldet. Laubers Rezept für gefüllten Butternusskürbis konnte mich leider nicht von meiner Kürbisphobie kurieren, weshalb ich das Rezept mit drei Sternen bewertet habe. Einer guten Freundin hat es aber hervorragend geschmeckt. In einem einzigen Fall hat ein Rezept nicht so gut geklappt. Beim Rezept mit den Polentaschnitten war meiner Meinung nach zu viel Flüssigkeit auf zu wenig Polentagriess vorhanden.

In fast jedem salzigen Rezept verwendet die Autorin zudem ein wenig Erythrit. Grundsätzlich ist dies nachvollziehbar, gehört es doch zu einer gewissen Küchentradition, dass man zb. zu Salatsossen etwas Zucker hinzugibt, um den Geschmack hervorzuheben. Auch bei süssem Gebäck darf eine Prise Salz nicht fehlen. „Kick it vegan“ ist aber meiner bisherigen Erfahrung nach das einzige Kochbuch, dass diese süsse Komponente dermassen oft einsetzt. Für meine Umsetzung der Rezepte habe ich es grundsätzlich weggelassen. Ich mag Süsses und Salziges gemischt grundsätzlich nicht. Bei manchem schien es mir aber auch schlicht zuviel – so wird zum Beispiel im Sahnegeschnetzelten (S. 182) 3 TL Erythrit hinzugegeben. Die Rezepte haben auf jeden Fall auch ohne Erythrit geschmeckt – und die Autorin und ich werden uns vermutlich noch lange darüber streiten, wie sinnvoll Süsses in Salzigem ist. (Für empfindliche Mägen dürfte es zudem ratsam sein, Erythrit durch regulären Zucker oder andere, besser verträgliche Süssstoffe zu ersetzen. Erythrit kann einen gewissen „laxativen“ Effekt auf das Verdauungssystem haben, je nach Verträglichkeit und konsumierte Menge.)

Lieblingsrezept: Auf jeden Fall der innovative Ofen“Visch“, und das Rühr'ki, mit dem mich die Autorin zum Kichererbsenomelett konvertiert hat. Auch die Spinat-Haferpfanne war genial lecker, und der Karottenshake, innovativ mit Haselnuss drin, hat mich echt überrascht.

Fazit:
„Kick it vegan“ überzeugt mich auf sehr vielen Ebenen. Der ausführliche inhaltliche Teil ist sachlich fundiert und wissenschaftlich akkurat geschrieben. Trotz dem Fokus auf Sport und der Hauptzielgruppe Sportler  vertritt die Autorin die moralisch-ethische und ökologische Begründung des Veganismus und geht sogar soweit zu sagen, dass vegane Ernährung kein Allheilmittel, die vegane Küche nicht automatisch „gesund“ sein muss. Veganismus ist toll, Sport ist toll, man kann beides kombinieren, aber Sport ist weder verpflichtend für den Veganismus, noch ist Veganismus verpflichtend für den Sport. Das ist sehr sympathisch, denn viel zu oft wird man als Veganer mit solchen gesundheitlichen und sportlichen Imperativen bombardiert. In Laubers Schilderungen ihres eigenen Wegs bis hin zur Sportliebhaberin mag ich mich zumindest viel eher identifizieren als in gewissen anderen Schilderungen. „Kick it vegan“ ist mehr als nur ein Kochbuch – und richtet sich auch nicht nur an eine Zielgruppe. Dieses Versprechen erfüllt das Buch vollständig. Das Buch kann sowohl einem Bodybuilder als auch einem Sportmuffel mit Abnehmwünschen geschenkt werden. Die Rezepte sind solide, in den meisten Fällen sehr schmackhaft und gut durchführbar. Die Rezepte sind wie das ganze Buch von hoher Qualität und hohem Informationswert. Und das nur für 20 Euro! Klare Kaufempfehlung mit 5 von 5 Sternen!

Cheers!
Rose


Nachgekochte Gerichte: Sojajoghurt, Tomaten-Kichererbsensalat, Blitz-Bohnensalat, Hirse-Petersiliensuppe, Ohne-Hering-Salat, Asia-Rosenkohl-Salat, Blumenkohlcremesuppe, Seitan-Geschnetzeltes in Erdnusssauce, Butternutkürbis mit Zitrus-Räuchertofufüllung, Hafer-Parika auf griechische Art, Rührki', Protein-Bratspaghetti mit Cashew-Miso-Sauce, Sahnegeschnetzeltes, Kokos-Pilz-Nudelpfanne, Mediterrane Tagliatelle mit Aubergine, KaPü+, Wintereintopf, Spinat-Haferpfanne, Reispfanne mit Gurken und Erdnüssen, No Shepherd's Pie, Polentaschnitten mit Pilzragout, Sahneweisskohl, Rote Linsen mit Sahnesauerkraut, Ofen-Visch, Buchweizen-Birnen-Porridge, Kirsch-Mandel-Eiscreme, Gebackene Bananen im Reispapier, Erdbeer-Hafershake, Mango-Lassi, Karottenshake, Softdrinks: SteCola

Donnerstag, 4. Februar 2016

Bullshitfreie Kochbuchrezension: "Let them eat vegan" - Burton (Vol. 7)

Datum des Originaleintrags: 25. November 2014

Generelle Infos

Let Them Eat Vegan! - 200 Deliciously Satisfying Plant-Powered Recipes for the Whole Family
Autorin: Dreena Burton
Erscheinungsdatum: März 2012
Preis: ca 14,50 Euro
Sprache: Englisch
Verlag: Da Capo Press
Das Buch befindet sich seit November 2012 in meinem Besitz.


Grafik, Design und generelles Aussehen

"Let them eat vegan" ist ein eher taschenbuchartiges Kochbuch. Es ist nur wenig grösser und breiter als das A5-Format, und ca 2 cm dick, nicht besonders schwer. Es eignet sich also wie andere Taschenbücher gut zum Mitnehmen und durchblättern unterwegs, im Vergleich zu Hardcovern ist das ein Vorteil. Da das Buch allerdings relativ dick ist, gibts gerade im ersten und letzten Viertel ein wenig das Problem, dass die Seiten nicht von allein auf dem Tisch halten, und beschwert werden müssen. Ab einer gewissen Seitenzahl halten die Seiten dann "von selbst" auf dem Tisch. Das machts leider etwas mühsam beim Kochen und Durchblättern.
Grafisch wird im Buch sehr viel Wert darauf gelegt, abzugrenzen: Pro Seite findet sich konsequent nur ein Rezept, die Rezepttitel sind nicht nur mit einer Farbe, sondern auch mit einem Rahmen plus farbigem Hintergrund vom Rest des Rezepts abgehoben. Die Titel sind fett und in Weinrot gedruckt, darunter findet sich deutlich die Angabe, für wieviele Personen das Rezept ist.

Weitere Angaben wie beispielsweise Glutenfrei oder Sojafrei finden sich darunter als Schrift plus einem grossen "Free"-Aufdruck in einem dunkelroten Kreis. Neben dem Titel und diesen Angaben findet sich bei jedem Rezept eine Anmerkung der Autorin, beispielsweise zur Herkunft des Rezeptes oder Anekdotisches und so weiter. Dadurch, dass sich diese Anmerkungen innerhalb des grossen Rahmens mit dem Titel usw. befinden, sind sie deutlicher vom Rest des Rezepts abegrenzt als in jedem anderen Kochbuch, dass ich bisher gelesen habe. Das ist sympathisch, weiss man doch, was man überspringen muss (wenn man solche Anmerkungen nicht mag), oder was man bevorzugt lesen kann (wenn man sie mag.)

Die Rezepte selber werden in zwei Spalten präsentiert. In der ersten Spalte findet sich die Zutatenliste, und in der Spalte daneben in mehreren übersichtlichen Abschnitten die Rezeptanweisungen. Die Schrift wird im Gegensatz zum weiteren rezeptspezifischen Anmerkungen oder dem Titel konsequent schwarz gehalten. Unter den Arbeitsschritten befinden sich bei vielen Rezepten dann wiederum in weinroter Schrift Anmerkungen zum Rezept selber, beispielsweise "Ingredients 411": Unter diesem Titel schreibt Burton, wie man eine spezielle Zutat bekommen könnte. Weiter finden sich hier Anmerkungen zu Substitutionen von Zutaten, oder zu Zutaten, die man noch hinzufügen könnte, sowie Tipps zu gewissen Arbeitstechniken (bspw. wie man ein Risotto sehr cremig bekommt, oder was man tut, wenn das Quinoa mit der angegebenen Menge Wasser noch nicht durch ist.)

Grundsätzlich kann man sagen, dass das Buch im Rezepteteil sehr strukturiert gestaltet ist. Auch die Einführungs- und Zutatenkapitel am Anfang sind zweispaltig gegliedert und es werden zur Unterstützung der Struktur fette, kursive sowie farbige Akzente gesetzt. Einzig bei der Schriftgrösse in den Rezepten kann man einen Kritikpunkt anbringen. Die ist nämlich locker zwei Punkte kleiner als im ausführlichen Informationsteil am Anfang und am Ende des Buches. Den Rezepten hätte es gut getan, wären sie noch etwas grösser geschrieben worden. Grad in der Hitze des Gefechts in der Küche möchte ich mich nicht extrem über das Buch beugen müssen, um nochmal rasch nachlesen zu müssen.

Wie viele amerikanische Kochbücher ist auch das Kochbuch von Burton nicht unbedingt spezifisch mit Fotografien geplant worden. Es gibt im Inneren des Buches eine Art eingebundene 16-seitige "Beilage", in denen ungefähr 35-40 Rezepte fotografisch mit durchaus hoher Qualität festgehalten wurden. Für den Rest der Gerichte sind keine Fotografien verfügbar. Für mich ist das Ansehen von Fotos kein Must-have, wer aber darauf nicht verzichten möchte, der wird von diesem Kochbuch eher enttäuscht in dieser Hinsicht.

Inhalt
"Let them eat vegan" enthält mehr als 200 Rezepte. Um zu diesen zu gelangen, blättert/liest sich ein Leser allerdings erst einmal durch 30 Seiten Einleitung. Hier bewegt sich Burtons Kochbuch eher in der klassischen Herangehensweise eines veganen Kochbuchs. Auch wenn es nicht ihr erstes ist und auch wenn Veganismus in den letzten Jahren (vor allem in den USA) mehr an Popularität und Bekanntheit gewonnen hat, wie sie in den ersten Seiten schreibt, wird im Buch nicht darauf verzichtet, eine ausführliche Einleitung ins vegane Kochen zu geben. Burton macht dies allerdings eher aus dem Blickwinkel heraus, wie ihr Kochbuch aufgebaut ist, welche Produkte sie verwendet (inkl. ausführliche Warenkunde), welche Utensilien die Küche beinhalten sollte und dergleichen.
Gerade im Abschnitt über den veganen Vorratschrank bekommt man noch einmalausfürhlich alles alphabetisch präsentiert, was es an normalen und etwas exotischeren veganen Zutaten gibt. Zu vielen Zutaten gibt Burton auch noch spezielle Tipps, die unter "Kitchen Buzz" rot dargestellt werden. Dieser Part scheint für einen geübten Koch teilweise eher ein "Zuviel des Guten" zu sein. Für jemanden, der noch wenig Ahnung von in der veganen Küche oft gebrauchten veganen Zutaten hat, oder generell ein Kochneuling ist, ist diese Aufzählung allerdings Gold wert, stelle ich mir vor.

In den ersten drei Seiten, bevor sie in eine Erklärung der einzelnen Anmerkungstypen gibt, die später in den Rezepten vorkommen, erfahren wir dann aber doch noch klassischerweise etwas über die Intentionen der Autorin, ein veganes Kochbuch zu verfassen. Bei ihr scheint vor allem der Gesundheitsaspekt wichtig zu sein: Sie spricht davon, dass sie der Meinung ist, dass tierfreie Fertigprodukte, die mit der zunehmenden Popularität des Veganismus mehr und mehr aufkommen, zwar ethisch korrekter seien, aber eben auch gesundheitlich gesehen problematischer. Sie sieht Ersatzprodukte für Fleisch und Milchprodukte vor allem als wertvoll für den Einstieg und die Verwöhnung zwischen durch, betont aber, dass es für sie klar sei, dass man sich nicht ständig von solchen Dingen ernähren solle, und dass ihre Rezepte auch nicht darauf abzielten, dass man ständig solche Produkte kaufen müssen. Diese Aussagen müssen natürlich in einem amerikanischen Kontext betrachtet werden, wo der Markt für vegane Ersatzprodukte noch einmal grösser ist als hierzulande oder in Deutschland. Durch höhere Nachfrage werden Produkte über dem Teich vermutlich auch günstiger angeboten. Die Ernährung als "Pudding"-Veganer scheint in den USA noch einmal realistischer möglicher zu sein als hierzulande, weswegen dann wiederum eine solche Ansprache auch in gewisser Weise nachvollziehbar ist.
Wenn sie im folgenden Absatz davon spricht, dass diese Ersatzprodukte keine echte Nahrung seien, und dass die Ernährung zu 90-100% aus "whole foods" und "lower-fat" pflanzlichem Essen bestehen soll, habe ich aber ein wenig Mühe mit diesem erhobenen Zeigefinger. Es gibt auch Ersatzprodukte (die eigentlich besser Alternativprodukte genannt werden sollten), die beispielsweise zu einem Grossteil aus Tofu bestehen, oder aus Seitan - das ist dann meines Erachtens nach nicht mehr vergleichbar mit stark verarbeiteten Produkten.

Ebenso finde ich es interessant, dass sie Gerichte mit niedrigem Fettgehalt empfiehlt, dass dann aber sehr viele Rezepte aus meiner Perspektive damals in meiner Kochbuchchallenge nicht für die Ernährung nach Weight Watchers, die ja auch Low-Fat propagieren, geeignet waren, eben weil zuvieles mit zuviel Fett und Zucker gemacht wurde. Es ist für mich auch fraglich, wie man low-fat und whole food einhalten soll, wenn mehr als ein Drittel der Rezepte Kuchen, Kekse, Cremen, Muffins, süsse Frühstücke oder Eiscreme-Rezepte sind. Um diesem Ktierium gerecht zu werden, müsste man man den Anteil an süssen Sachen runterschrauben, nicht einfach nur Weissmehl durch Vollkorn- oder glutenfreies Mehl ersetzen. Ich persönlich nehme eher zu, wenn ich mir jeden Tag Vollwertkost-Muffins reinziehe, dafür aber auf Ersatzprodukte aus Tofu oder Seitan verzichte.

Der Rest der vierseitigen Einleitung besteht weiter aus Anekdoten, Hinweisen zum Aufbau des Buches und generellen Anmerkungen. Es muss hier angemerkt werden, dass vollständig darauf verzichtet wird, den Veganismus an sich zu erklären, gesundheitliche Aspekte der veganen oder omnivoren Ernährung an sich zu analyiseren und hervor zuheben oder die ethische Komponente detaillierter zu erklären. Das ist meines Erachtens positiv, führt aber auch dazu, dass keine Hinweise darauf gegeben werden, inwiefern man beispielsweise zu Calcium in der veganen Ernährung kommt, oder dass man auf jeden Fall B12 zuführen müsste.
Wenigstens tappt die Autorin nicht in die esoterische- oder unwissenschaftliche Bullshit-Falle, wie leider zuviele Autoren und Autorinnen von veganen Koch- und sonstigen Büchern. Einen weiteren Textteil findet man dann am Schluss des Buches. Nach dem letzten süssen Dessertrezept finden sich ca. 20 Seiten Anmerkungen darüber, wie man eine vegane Familie ernährt, und wie man vegane Lunchboxen füllt sowie wie man seine Familie oder sich selber dazu bringt, mehr Grünzeug zu essen.
Ich bin selber Single und habe keine Familie zu versorgen, ich denke aber, dass es für einige Leser sehr interessant sein kann, einen Einblick zu erhalten, wie eine vegane Mutter ihre Familie vegan ernährt ("powered", wie sie es so schön schreibt.)
Einige Tipps scheinen mir auch interessant für diejenigen Umsteiger, die ihre omnivore oder vegetarische Familie nach und nach zur dauerhaften veganen Küche führen möchten. Einige wenige Anmerkungen zum Füttern von Babies finden sich auch, allerdings verzichtet Burton (zum Glück) darauf, detaillierte Baby-Ernährungspläne zu geben oder dergleichen.

Generell finde ich die Anmerkungen in diesem Teil des Buches sehr angenehm. Sie eignen sich für viele verschiedene Leser. Grad die Tipps, wie man mehr Grünzeug in seinen Alltag anbaut, könnte für einige interessant sein, wohingegen andere vielleicht eher damit hadern, die Sandwichbox des Kindes vegan zu befüllen, und dafür Tipps brauchen könnten. Abgeschlossen werden diese Anmerkungen mit Anleitungen zur Kochzeit von Getreidesorten sowie Hülsenfrüchten, einer Konversationstabelle vom amerikanischen zum europäisch-metrischen Messsystem sowie einem sehr ausfürhlichen, hilfreichen Inhalts bzw. Stichwortsverzeichnis.

Kommen wir zum Rezepteteil. Die mehr als 200 Rezepte sind in in elf Kapitel gegliedert. Klassischerweise fängt Burton mit den Frühstückssachen an (Breakfast Bites and Smoothies), geht über zu den Salaten, zu Dips und Sossen, bis sie sich den Suppen widmet. Weitere Kapitel befassen sich mit "Sides", also Beilagen, mit Eintopf-artigen Gerichten und Tartes, ein weiteres Kapitel widment sich den Burgern. Ein weiteres deftiges Kapitel befasst sich dann mit Nudelgerichten, ehe sich Burton dann dem Süssen widmet (Kekse (Kapitel 9), Kuchen, Pies und Puddings (10), Eiscreme (11)). Das Kochbuch ist also klar ein Querschnitt durch die vegane Küche.
Die einzelnen Kapitel glänzen dann auch nicht durch eine grosse Quantität sondern eher durch Qualität. Manche Kapitel enthalten nur wenige Rezepte, so finden sich nur fünf Salat- und elf Burgerrezepte in den entsprechenden Kapiteln, wohingegen andere Kapitel deutlich mehr Platz erhalten. Wie bereits angesprochen sind das vor allem die Dessertkapitel, die drei von 11 Kapiteln umfassen (plus ein halbes beim Frühstück), aber rein von der Seitenzahl mehr als 90 Seiten einnehmen.

Wie bereits erwähnt, legt Burton sehr viel Wert auf die Angabe von Allergenen. Gluten-, weizen- und sojafreie Optionen oder auch optional modifizierbare Rezepte sind deutlich hervorgehoben. Was allerdings ein wenig fehlt, sind klare, übersichtliche Zeitangaben.

Hummus-Indikator: 0.5-Punkt wegen einem "Hummus-Salatdressing" plus eine Guacamole. Hefeschmelz-artige Rezepte finden sich in diesem Buch aber mindestens 5, dazu der amerikanisch-übliche Spinat-Käse-, sowie der Bohnen-Artischocken-Dip.

Umsetzbarkeit, Zutaten und Aufwand
Burtons Rezepte sind gut umsetzbar, wenn man sich an die angegeben Arbeitsschritte hält. Ich habe hierbei keine grossen Fehler beobachten können, ausser einen, der aber auf den fast defekten Ofen meiner Oma zurückzuführen war (Anekdote: Die weihnachtliche "Festive Chickpea Tart" brauchte aufgrund dieses dummen Ofens etwa doppelt so lang. Technik!).
Geht man allerdings von den Zutaten und vom Aufwand her, so muss ich klar sagen, dass Burtons Rezepte in diesem Buch sich eher an der oberen Grenze bewegen. Die Zutatenlisten bei den Rezepten sind eher länger als üblich. Wenn Robin Robertsons "Vegan Planet" ein Indikator für sehr wenige Zutaten ist, bewegt sich Burtons "Let them eat vegan!" eher entgegengesetzt am anderen Pol. Sie benutzt nicht unbedingt viele exotische Zutaten, allerdings benutzt sie eine ziemlich ausführliche Gewürzeküche.
Die Zutatenliste wird auch deswegen noch einmal als teilweise überladen empfunden, weil manche Sachen folgendermassen aufgeführt werden:
-1/2 cup plain unsweetened nondairy milk (almond or soy preferred; see "Plant-Powered Pantry,", page xxxiii)
oder: -1 tablespoon light-flavored olive oil (not extra virgin) or other neutral-flavored oil (optional; see "Plant-Powered Pantry," page xxxii)

Die Anmerkungen und die in jedem einzelnen Rezept vorkommenden Querverweise auf den "plant based"-Vorratschrank überladen die Zutatenlisten und sind total unnötig. Solche Anmerkungen sind bei der ersten und zweiten Aufführung einer Zutat in Ordnung, aber nicht jedes einzelne Mahl, wenn die Zutat im Buch vorkommt. Ich kann solche Sachen auch gut querlesen, aber es ist gut vorstellbar, dass die dadurch entstehende schiere Länge vieler Zutatenliste Kochneulinge oder Neulinge der veganen Küche eher abschreckt, so gut und durchdacht die Rezepte an und für sich dargestellt sind.
Bei manchen Sachen sind auch bereits Verarbeitungsschritte in die Zutatenliste hinzugefügt, z.B. "2 Cups Zucchini that has been halved or quartered lengthwise and sliced about 1/4 inch thick". Auch das lässt die Zutatenliste nicht gerade kürzer werden.

Für mich hat das dazu geführt, dass ich - gerade in Kombination mit fehlenden Gesamtzeitangaben) sehr oft mehr Zeit berechnet habe, als ich dann tatsächlich gebraucht habe. Dies ist vermutlich auch dem Eindruck geschuldet gewesen, den diese überladenen Zutatenlisten subjektiv hinterlassen. Andererseits hatte ich dann auch bei einigen Rezepten zuwenig Zeit einberechnet, weil teilweise Arbeitsschritte wie z.B. das Rüsten des Gemüses in der Zutatenliste "versteckt" werden statt als Arbeitsschritt im eigentlichen Rezept angegeben.

Von den Zutaten her scheint mir sehr vieles gut machbar. Einige Mehl-Sorten und vor allem diverse Backzutaten, die in den süsseren Kapiteln vorkommen, könnten bei Personen ohne oder nur mit schwerem Zugang zu Bioläden oder Reformhäusern etwas Probleme bereiten. Ich denke da vor allem an Hafer-, Dinkel- oder Hirsemehl, aber auch Reismehl, Xanthan, brauner Reissirup oder rohe Macadamiabutter. Man muss also schon bereit sein, auf andere Zutaten auszuweichen, sich solche Zutaten aus dem Netz zu bestellen oder halt den Umweg zu einem Bioladen auf sich zu nehmen, wenn solche Zutaten schwer beschaffbar sind.
Anders als bei den Back-, hält es sich bei den Kochrezepten mit "exotischeren" Zutaten eher in Grenzen, wie ich das bei meiner Nachkocherei gemerkt habe. Das schwierigste war noch "Tempeh", aber auch da haben sich mittlerweile einige Bezugsquellen aufgetan.

Nachgekochte Rezepte
Gerade weil ich viele Rezepte während meiner aktiven Weight-Watchers-Abnehmphase nachgekocht habe, habe ich mich vor allem auf die Rezepte gestürzt gehabt, die tatsächlich low-fat waren und eher zur herzhaften Sorte gehörten. Ich kann das Buch deswegen eher wenig aus der Perspektive der süssen Desserts wie beispielsweise Muffins oder Kuchen bewerten. Die Muffins, die ich nachgebacken habe, erhielten von mir immerhin die respektable Bewertung "gut". Dies bewegt sich in etwa im Rahmen der Rezepte, die ich getestet habe.
Die meisten Rezepte habe ich in meiner Datenbank mit 4 von 5 Sternen bewertet, es gab auch Hitrezepte, die ich jederzeit sofort wieder nachkochen würde. Generell scheint mir Burton viel vom Kochen zu verstehen! Die ellenlangen Zutatenlisten stehen also wirklich auch für Qualität und geben vielen Rezepten den letzten Schliff - das ist dann der Vorteil daran, dass eben zb. ein ausgeklügeltes Gewürzsystem verwendet wird.

Lieblingsrezept: No-Fu-Love Loaf. Prädikat: "Fantastischgenialgeil".

Fazit
Dreena Burtons "Let them eat vegan!" ist ein an vielen Stellen gut durchdachtes Buch, das aber an einigen Ecken auch etwas krankt. Einerseits sind die ausführliche Einleitung mit ihrem "vegan pantry", die breite Palette an Rezepten für jeden Bereich der Küche und die vielen Tipps zur veganen Ernährung im Alltag dazu geeignet, Neulinge an die vegane Ernährung zu bringen, und richten sich auch an dieses Zielpublikum. Überladene Zutatenlisten, eine kleine Schrift in den Rezepten sowie Produkte gerade im Backbereich, die nicht überall erhältlich sind, könnten aber gleichermassen dazu führen, dass dieses Zielpublikum abgeschreckt werden könnte.
An totale Kochneulinge würde ich das Buch nicht verschenken, auch nicht an Leute, die darauf angewiesen sind, Essen in 20 Minuten auf den Tisch zu stellen. Da die Rezepte aber sehr gut funktionieren und auch in den meisten Fällen gut bis sehr gut geschmeckt haben, verteile ich an "Let them eat vegan!" vier von fünf Sternen und somit eine Kaufempfehlung vor allem an diejenigen Veggies, die bereits mittel bis viel Erfahrung in der Küche haben.

Cheers!
Rose

Getestete Rezepte

Festive Chickpea Tart; Three-Bean-Salat; Quinoa Nicoise; DJ's Hummus Salat Dressing; Artichocke and White Bean Dip; Kids Cheesy Chickpea and White Bean Soup; French Lentil Soup with Smoked Paprika; White Bean Mashed Potatoes; No-Fu-Love Loaf; Boulangerie Potatoes with Sautéed Fennel and White Beans; Corn Chowder Quinoa Casserole; Fragrant Kidney Bean Lentil Dal; Wonder Bean Puree; Braised Tempeh in a Lemon, Thyme and Caper Sauce; Mediterranean Bean Burgers; Too-Good-to-Be-Tofu Burgers; Chia Banana Muffins; Quinoa Tabbouleh with Olives

Bullshitfreie Kochbuchrezension: "Appetite for Reduction" - Moskovitz (Vol. 6)

Datum des Originaleintrags: 25. Oktober 2014

Generelle Infos
Appetite for Reduction: 125 Fast and Filling Low-Fat Vegan Recipes
Autorin: Isa Chandra Moskovitz
Erscheinungsdatum: Januar 2011
Preis: ca. 14 Euro
Sprache: Englisch Verlag: Da Capo Press
Das Buch befindet sich seit Mai 2012 in meinem Besitz

Grafik, Design und generelles Aussehen
Wer das "Veganomicon" kennt, der kennt quasi auch die Grafik dieses Buches hier. Appetite for Reduction ist ähnlich strukturiert und gestaltet wie das Veganomicon. Gut lesbare Schrift, eine sinnvolle und klare Strukturierung, Einsatz von Farben zur Abgrenzung von wichtigen Informationen - you name it! Der Titel ist in Farbe gehalten, darunter kommen die Hinweise der Portionengrösse, der "aktiven" Zeit, die man benötigt, und der totalen Zeit, die das Rezept benötigt. Diese Unterscheidung finde ich übrigens genial. Da weiss man genau, wieviel Zeit man tatsächlich in der Küche steht.
Wie auch im Veganomicon finden sich hier Hinweise zu Allergenen in Symbolen, zb. (G), wenn ein Gericht Glutenfrei ist (oder mit wenigen Veränderungen glutenfrei gemacht werden kann). Es finden sich auch Symbole wie beispielsweise (30), was bedeutet, dass das Rezept nur 30 Minuten oder weniger braucht.

Der Einführungsteil des Rezeptes ist in einer anderen Schrift gehalten, als die Zutatenliste, die wiederum farbig gestaltet ist und sich mit einem Zentimeter Einzug deutlich abgrenzt. Die darauffolgenden Arbeitsschritte sind in einer anderen Schrift gehalten, und unterscheiden sich so vom Rest des Rezepts. Die Arbeitsschritte sind weniger deutlich als "Schritte" gegliedert, sondern präsentieren sich eher im Fliesstext. Mich stört das nicht gross, es mag aber Leute geben, die dies irritiert.
Weiter finden sich im ganzen Buch auch Tipps, die in grauen Boxen präsentiert werden, sowie "Nutrition Tips", die in einer Box mit hellbordeaux-Hintergrund gestaltet werden. Diese grafische Gestaltung ist sehr angenehm, da sie sich gut abgrenzt vom restlichen Rezept. Ähnlich wird das bei den Nährwertangaben gemacht. Diese finden sich immer am Rand und sind mit der typisch bordeauxroten Schrift ebenso deutlich abgegrenzt.

Seitengestaltung Prädikat angenehm
Das Buch selber ist ein Taschenbuch, das fast quadratisch gehalten ist. Es entspricht etwa 2/3 eines A4-Formates und ist ungefähr 2cm dick. Vom Gewicht und von der Grösse her lässt es sich gut herumtransportieren, und hat somit dem "Veganomicon" etwas voraus. Superpraktisch!
Dank der einfachen Bindung lässt sich das Buch sehr gut aufgeklappt auf dem Küchentisch handhaben, ohne dass sich die Seiten verändern. Das Buch hält es auch aus, wenn man es etwas niederdrückt, um die Seiten offenzuhalten. Für die Küche ist das Buch somit super geeignet.

Wie auch das Veganomicon bzw. fast alle amerikanischen Kochbücher kommt auch dieses Kochbuch fast ohne Fotografien aus. In der Mitte des Buches findet man einen gesonderten Teil, bei dem sich Fotos von immerhin 30 Gerichten finden. Somit ist also ungefähr ein Viertel der Rezepte mit einer Illustration versehen. Die Fotografien befinden sich gestalterisch aber nicht auf einem hohen Niveau und sind meiner Meinung nach vernachlässigbar.

Inhalt
Von den Kochbüchern, die ich bisher rezensiert habe, glänzt "Appetite for Reduction" vermutlich mit der kürzesten Einführung überhaupt, wenn es um den veganen Aspekt geht. Neben dem veganen Aspekt ist dieses Buch ja auch auf einen eventuellen Gewichtsverlust durch eine eher fettarme, sättigende Küche ausgelegt. So findet sich in der Einleitung der Autorin (Zwei Seiten) vor allem die Erklärung, warum Moskovitz dieses Buch verfasst habe. In ihrem typischen angeregt-angenehmen Stil beschreibt die Autorin, wie sie in den letzten Jahren immer mehr Pfunde angemampft hat, und dass das Verfassen von veganen Backbüchern (Cupcakes, Pies, Cookies) nicht unbedingt geholfen habe, die Pfunde zu verlieren. Ausserdem sei sie mit Schilddrüsenunterfunktion und PCOS diagnostiziert worden und hätte zudem aufgehört zu rauchen.
Positiv finde ich auch, dass sie betont, es gehe nicht darum zu verzichten, und dass das Hauptziel sei, jederzeit gesättigt zu sein, statt sich auszuhungern. Ebenso interessant finde ich, dass sie in einem Absatz betont, dass der Wert einer Frau nicht von ihrem Gewicht abhänge. Sie hätte ihre Ernährung vor allem deswegen umgestellt, weil sie sich müde gefühlt habe, ihre Knie geschmerzt hätten und sie zuwenig Energie gehabt hätte. Das trägt zu einer positiven Botschaft bei, die sie sicherlich beabsichtigt hat, als sie dieses Buch geschrieben hat.

Im Endeffekt bleibt es aber ein Low-Fat Kochbuch mit der Absicht, bei der Abnahme zu helfen. (Und warum sie nur "Girls" anspricht, ist mir etwas schleierhaft. Es könnten ja auch Männer abnehmen wollen..?) Dieses Buch passt übrigens von der Philosophie her sehr gut in das Weight-Watchers-Programm, dass auf einem ähnlichen System basiert: Möglichst vollwertige, sättigende Küche mit vielen Ballaststoffen, vollwertigen Kohlenhydraten und Eiweissen, wenig Fast-Food, viel selbstgekochtem und Dingen mit niedriger Energiedichte. Deswegen hatte ich mir das Kochbuch ursprünglich gekauft - und in dieser Hinsicht enttäuscht das Buch auch nicht.
Positiv ist noch zu vermerken, dass Moskovitz nicht einfach darauf los schreibt mit einem Diätratgeber, sondern dass sie sich Hilfe von einem Ernährungsberater geholt hat, einem "Dietican" namens Matt Ruscigno.
(Anmerkung 2016: "Dietican" ist die Bezeichnung für eine Person mit Ausbildung und Zertifizierung in Amerika. "Nutrionist" kann sich dagegen jeder nennen. Gute Wahl, Moskovitz!)
Die Nährwertangaben, die im übrigen nicht nur aus Kalorien und Fett-, Eiweiss- und Kohlenhydratangaben bestehen, sondern auch aus Vitaminen und Mineralstoffen aufführen, sind also vermutlich ziemlich verlässlich. Das ist lobenswert!

Nach diesen zwei Seiten Einleitung kommt die Sprache das erste Mal auf die ideologischen Hintergründe des Kochbuchs und des Veganismus'. Neben der Abnahme, so Moskovitz, könnte man mit "Appetite for Reduction" auch ungesunde Zutaten vermeiden, den ökologischen Fussabdruck senken, die Kosten für das Lebensmittelshoppen sowie das Leid von Tieren vermindern.
Angenehmerweise verzichtet Moskovitz hier auf weitere ellenlange Ausführungen. Das machts mir sympathisch - und vermutlich macht das das Buch auch geeignet für Vegetarier oder omnivore Menschen, die sich von zuviel veganer Missioniererei eingeschüchtert fühlen.
Erwähnenswert ist übrigens auch, dass sich auf der nächsten Seite eine Konversionstabelle des amerikanischen Messsystems zum metrischen System befindet. So ist das Buch auch super für Nicht-Amis nutzbar.
In den darauffolgenden vier Seiten mit dem Titel "Mission: Nutrition" kommt der bereits angesprochene Ernährungsberäter dann zu Wort und geht auf gesundheitliche Aspekte der im Buch vorgestellte Rezepte und allgemein der veganen Ernährung ein. Wert klegt er vor allem auf die Frage "Woher beziehst du dein X?", und arbeitet sich durch eine Reihe von Mikro- und Makronährstoffen, von denen immer wieder die Frage kommt, ob sie in der veganen Ernährung zur Genüge vorkommen: Eiweiss, Eisen, Calcium, Zink, Salz und Vitamin B12.
Die Angaben zu B12 sind ansatzweise korrekt, aber auch etwas widersprüchlich. Er geht vor allem darauf ein, dass B12 sehr oft Fertig- bzw. Convenience-Produkten zugegeben wird, beispielsweise Frühstückscerealien oder Säften, und dass, wenn man solche Produkte konsumiert, ein Mangel sehr unwahrscheinlich sei. Man solle also darauf achten, zu supplementieren, wenn man darauf verzichtet. Da das Buch dazu aufruft, weniger Convenience zu konsumieren, ist dieser Hinweis ein wenig redundant. Er behauptet zudem, in "Nutritional Yeast" (Nährhefe/Hefeflocken) käme B12 vor. Dies ist nur dann korrekt, wenn der Nährhefe zusätzlich B12 beigegeben wird. Nährhefe hat sonst keinen B12-Anteil. Generell klingen seine Ausführungen etwas zu verharmlosend, in dem Sinne, dass ein echter B12-Mangel kaum vorkäme. Ich finde, man sollte die B12-Info nicht derart niederspielen, vor allem, weil man B12 quasi nicht überdosieren kann.
(Anmerkung 2016: Es kann auch sein, dass in den USA sehr viel mehr Convenience Food mit B12 angereichert wird. Wenn dies der Fall sein sollte, in Kombination mit dem Fakt, dass in den USA mehr Convenience Food und angereicherte Produkte konsumiert werden, können die Aussagen des Dietican durchaus vorsichtig als zutreffend beschrieben werden. Für europäische Leser muss gesagt werden, dass eine ausreichende Zufuhr von B12 durch Lebensmittel meistens nicht gegeben ist, und dass es auf jeden Fall ratsam ist, B12 zu supplementieren.)

Eine weitere Seite widmet sich noch den Fetten, also welche Fette man meiden sollte, welche man konsumieren soll, und so weiter. Das ist durchaus unüblich für ein Kochbuch, aber für ein Diät und Low-Fat-Kochbuch durchaus von Vorteil. Hier finden sich auch Erklärungen für Leute, die vielleicht davon noch nicht soviel Ahnung haben, und für eine Wikipediasuche bisher noch keine Zeit gefunden hatten.

Der Rezepteteil besteht aus 125 Rezepten und ist in mehrere Kapitel aufgegliedert: Salate, "Sides" (Beilagen), Gemüsegerichte, Hülsenfrüchte, Tofu- und Tempehgerichte, Nudelgerichte, Suppen und ein letztes Kapitel über "Curries, Chili & Stews". Auf Desserts verzichtet die Autorin konsequenterweise, was ich auch in Ordnung finde für das Buch.
Dafür baut sie auf mehreren letzten Seiten noch kleine Minikapitel über "The Bowl" und Sandwiches ein. Mit der "Bowl" sind Ein-Teller-Gerichte nach dem Setzkastenprinzip gemeint, die ich sehr interessant finde. Dieser Trend schwappt zurzeit auch wieder über diverse veganen Blogs und -Gruppen.
Anmerkung 2016: Yep.. Der Trend ist definitiv hier angekommen.

Erwähnenswert ist auch noch, dass einzelne Zubereitungstipps bei einzelnen Kapiteln detailliert aufgeführt sind. So findet sich in der Einführung zum Kapitel der Gemüsegerichte ein Haufen Tipps für alle möglichen Gemüsesorten. Ähnliche Hinweise findet sich beim Kapitel über Hülsenfrüchte, wenn auch etwas weniger detailliert. Dies ist natürlich vor allem für Kochanfänger sehr hilfreich!

Hummus-Indikator: Ein low-fat Basisrezept und 6 Variationen! Volle Dröhnung. (Besonders empfehlenswert: Pizza Hummus).


Umsetzbarkeit, Zutaten und Aufwand
Moskovitz betont, dass sie die Rezepte im Hinblick auf berufstätige, aktive Abnehmwillige geschrieben hat. Dies trifft in den meisten Fällen auch zu. Sehr viele Rezepte sind unter 30 Minuten machbar (und auch so gelabeled) und/oder haben nur wenig aktive Zeit bei viel inaktiver Zeit. Man kann also während der Zubereitung andere Dinge erledigen.
Ich habe einige Rezepte während meinem Praktikum getestet, wo ich jeden Tag insgesamt zwei Stunden mit dem Zug fahren musste, und lange Tage hatte. Vieles, was ich ausprobiert hatte, war auch noch superlecker nach dem Aufwärmen in der Mikrowelle, manches sogar noch besser als beim Kochen zuvor. Es hat auch meistens sehr lange gesättigt.
Ich fand die Rezepte sehr tauglich für lange Büroalltage. Auch heute koche ich noch ab und zu aus dem Buch, wenn ich zur Arbeit gehe. Der Aufwand hält sich bei den meisten Rezepten wie erwähnt gering.

Die Umsetzbarkeit ist auch gegeben. Man merkt, dass Moskovitz Ahnung vom Kochen hat. Sämtliche von mir getesteten Rezepte haben funktioniert, es gab keinen Vorfall von vergessenen Zutaten oder unklaren Arbeitsanweisungen dürfte wohl noch die exotischste gewesen sein, wobei ersteres durch eine x-beliebige Pflanzenstärke ersetzt werden kann.
Hier zeigt sich natürlich auch der Vorteil eines Low-Fat-Abnehm-Kochbuches - sämtliche Ersatzgerichte wie zb. veganer Käse, veganes Schnitzel oder aber auch nur schwer zu bekommender veganer Kuchen-/Blätterteig werden hier natürlich vermieden, auf Kosten von Basic-Zutaten wie Bohnen, frischem Gemüse, Nudeln, Reis, Hülsenfrüchten usw., die man nun natürlich in jedem Supermarkt bekommt.
Bei manchen Zutaten geht Moskovitz auch auf die "Ingredient Scavenger Hunt", also auf die Zutaten-Schatzsuche, und gibt Tipps, wie man zb. an Puy-Linsen oder an Kalamata-Oliven herankommt. Diese Tipps sind manchmal hilfreich, manchmal aber auch nicht (weil auf amerikanische Supermärkte zugeschnitten).
Die einzige Zutat, die möglicherweise schwer zu besorgen ist, ist Liquid Smoke. Damit kocht Moskovitz sehr oft. Ich lasse diesen Flüssigrauch in den meisten Fällen einfach weg, was den Gerichten meistens keinen Abbruch tut. Hier merkt man halt, dass die Autorin Amerikanerin ist. Liquid Smoke bekommt man im Ami-Barbequeland vermutlich in jedem Provinzsupermarkt.
Anmerkung 2016: Mir haben sich mittlerweile zuverlässige Liquid-Smoke-Bezugsquellen erschlossen. Ich will nie wieder drauf verzichten!

Nachgekochte Rezepte
Einige Rezepte habe ich bereits 2012 nachgekocht, ein Grossteil der Rezepte habe ich im Rahmen meiner veganen Kochbuchchallenge 2013 nachgekocht. Die Rezepte boten sich vor allem deswegen an, weil sie wie bereits erwähnt gut ins Konzept der Weight-Watchers-Ernährung zum Gewichtsverlust passen.
Ich habe mehr als 30 Rezepte aus dem Buch nachgekocht. Die Rezepte erhielten von mir unterschiedliche Bewertungen. Ein Grossteil war gut oder sehr gut, einige Ausreisser nach unten gabs allerdings auch. So beispielsweise ein Salat, der an und für sich super war, bei dem für die Sosse aber eine Schalotte mitpüriert wurde. Das war dann so beissend, dass es nicht mehr schmackhaft war.
Bei manchen Gerichten hat man auch gemerkt, dass sie sehr kalorien- und fettarm waren, beispielsweise beim Bistro Broccoli Chowder. Bei diesen Fällen hat man den Eindruck, ein Rezept wirke weniger gut einstudiert als zb. im Veganomicon, wobei man da natürlich auch die hohe Messlatte anlegt, wenn man AfR mit dem Veganomicon vergleicht. Die Gerichte mit Tempeh habe ich auch etwas mager bewertet damals. Hier muss ich allerdings betonen, dass das meine ersten Versuche mit Tempeh waren. An den Geschmack von Tempeh muss man sich irgendwie erst einmal gewöhnen. Heute mag ich den Geschmack viel mehr als damals, vermutlich würden einige Gerichte von mir heute besser bewertet als damals. Wer Tempeh gar nicht mag, kann das ganze meistens auch durch Seitan oder Räuchertofu ersetzen.
Die meisten Gerichte waren aber sehr gut und schmackhaft dafür, dass versucht wurde, mit möglichst wenig Fett und Kalorien auszukommen. Hier profitiert das Buch sicherlich von Moskovitz Tauglichkeit als Köchin. Es wurde nie damit gearbeitet, einfach von altbekanntem Zeug gewisses "wegzulassen" oder mit Lightprodukten zu arbeiten, wie das in anderen Low-Fat-Kochbüchern oft der Fall ist. Stattdessen wird neues kreiert, dass auf die eigene Art und Weise sehr schmackhaft ist. Und natürlich ist das Buch eine Gemüseküche pur.

Lieblingsrezepte: Pizza Hummus(!!!), Baked Falafel

Fazit

Wer auf der Suche nach veganen Rezepten ist, die nach einer ausgiebigen Kuchen- und Cookie-Phase das Bäuchlein ein wenig reduzieren, wer Weight-Watchers oder generell eine Low-Fat-Diät oder Kalorienzähl-Diät absolviert, der ist mit Appetite for Reduction gut bedient, nicht zuletzt mit den klaren Nährwertangaben für jedes Rezept. Auch sind die Rezepte gut sättigend und machen Spass, sind meistens schnell gekocht und auch für Berufstätige geeignet.

Eine Kaufempfehlung ist das Buch vor allem für diejenigen Veganer, die ein wenig mehr Gemüse und etwas weniger Cookies in ihre Ernährung aufnehmen wollen, in der Hoffnung, einige Pfunde zu verlieren. Da ist es vermutlich das beste Kochbuch, dass zurzeit erhältlich ist. Empfehlenswert ist das Buch zudem für Allergiker: Alles ist klar ausgeschildert und sehr oft werden Alternativen präsentiert. Positiv! Wer allerdings Fotos benötigt, und/oder mit dem englischen Messsystem sowie mit der englischen Sprache nicht klarkommt, der sollte auf dieses Buch eher verzichten.
Ein Grossteil der Rezepte sind schmackhaft und lecker, bei manchen Rezepten hat man den Eindruck, dass zuwenig gut getestet oder durchdacht wurde. Aus diesem Grunde vergebe ich für "Appetite für Reduction", auch im Vergleich mit dem Veganomicon, vier von fünf Sternen! 

Cheers!
Rose

Getestete Rezepte
Spicy Blue Potato & Corn Salad; Cauliflower Mashed Potatoes (Caulipots) Curried Cabbage & Peas; Smoky Split Pea Soup; Quinoa Salad with Black Beans & Toasted Cumin Seeds; Caesar Salad with Eggplant Bacon and Caesar Chavez Dressing; Trattoria Pasta Salad with White Beans and Sundried Tomato-Walnut-Dressing; Silky Chickpea Gravy; Brussels Sprout-Potato Hash; Scarlet Barley; Mushroom and Cannelini Paprikas; Sautéed Kasha & Mushrooms with Dill; Ethiopian Millet; Mushroom Tibs; Upside-Down Lentil Shepherd's Pie; Hottie Black-Eyed Peas & Greens; Baked Falafel; Jalapeno-Cilantro Hummus; Pizza Hummus; Pasta con Broccoli; Spinach Linguine with Edamame Pesto; Miso Udon Stir-fry with Greens & Beans; Lotsa Veggies Lentil Soup; Ceci-Roasted Red Pepper Soup; Bistro Broccoli Chowder; Arabian Lentil & Rice Soup; Cauliflower Pesto Soup; Manhattan Glam Chowder; Red Lentil & Root Veggie Dal; Peruvian Purple Potato Soup; Curried Chickpeas & Greens; Potato-Spinach Curry; Smoky Tempeh & Greens Stew; 2nd Avenue Vegetable Korma

Mittwoch, 3. Februar 2016

Bullshitfreie Kochbuchrezension: "Das Ox-Kochbuch 5" - Hiller/Herzer (Vol. 4)

Datum des Originalpostings: 29. September 2014

Generelle Informationen
Das Ox-Kochbuch 5: Kochen ohne Knochen
Autorin: Uschi Herzer, Joachim Miller
Erschienen: 2012 Preis: ca 10. Euro
Sprache: Deutsch
Verlag: Ventil Verlag
Das Buch befindet sich seit Anfang 2013 in meinem Besitz.
Grafik, Design und generelles Aussehen
Das Ox-Kochbuch ist ein Handtaschenkochbuch, so scheint es mir fast. Kaum dicker als ein Zentimeter, im handlichen A5-Format und wegen der konsequenten Verwendung von Papier sehr leicht und biegsam gehört es eher zur robusteren, einfacheren Sorte der Kochbücher. Es ist ganz sicherlich kein Hochglanzkochbuch - das würde auch dem Preis nicht entsprechen, denn erschwinglich ist das Buch auf alle Fälle. 

Verarbeitet ist das Buch solala - man muss die Seiten recht stark herunterdrücken, damit das Buch auf der richtigen Seite liegenbleibt. Die einfache Verarbeitung lädt auch dazu ein, den Buchrücken zu überdehnen. Das hat bei mir dazu geführt, dass ein Grossteil des Buchrückens sich von den gebundenen Buchseiten gelöst hat. Einige Seiten sind lose geworden und können potentiell aus dem Buch fallen.
Die Gestaltung selber ist gut aufgemacht. Die Titel der Rezepte sind fett und in Farbe gehalten, je nach Rezeptkapitel in einer anderen Farbe. Darunter folgt klein die Anmerkung, wer das Rezept verfasst hat, für wieviele es ist, und natürlich auch - gemäss der OX-Kochbuchtradition - welche Band oder welche CD man dazu hören sollte. Die Zutatenliste ist tatsächlich als Liste aufgemacht, mit Punkten vor jedem Produkt, und ist zudem in dicker Schrift verfasst, die sich wiederum von den nachfolgenden Rezeptanleitungsschritten abhebt.
Die Rezeptanleitungen sind nummeriert, und entsprechende Hinweise zum Rezept finden sich immer am Ende, hingewiesen wird durch einen Pfeil. Es ist also alles schön logisch geordnet und entsprechend symbolisiert, fast wie in einem Worddokument mit unterschiedlichen Aufzählungen, Nummerierungen und dergleichen. ;)
Die Schrift ist gut lesbar, das muss sie auch sein, denn sie ist doch recht klein. In den meisten Fällen sind die Seiten mit zwei Spalten gefüllt. Ein Rezept folgt einem anderen nach, es wird kaum Platz vergeudet. Das führt allerdings in vielen Fällen dazu, dass ein Rezept auf der nächsten Seite fortgesetzt wird. Die Rezepte sind nicht alle bebildert. Tatsächlich finden sich nur bei einem kleinen Teil der Rezepte tatäschlich Bilder, und die Bilder, die es gibt, sind eher ein wenig amateurhaft, muss ich sagen.
Womit das OX-Kochbuch punktet, sind die vielen liebevollen Illustrationen, die zb. in die Kategoriendeckblätter eingebaut sind, oder teilweise direkt das Rezept präsentieren. So wie das Titelblatt gestaltet ist, solche Darstellungen illustrieren jedes Kapiteldeckblatt - immer wieder für einen Lacher gut.

Inhalt
Das Ox-Kochbuch ist nicht das erste seiner Art. Bereits wurden in der Ox-Reihe vier weitere Kochbücher herausgegeben. Was das fünfte Buch allerdings von diesen Vorgängern unterscheidet, ist, dass nur noch vegan gekocht wird. Die anderen vier Bücher waren vegan-vegetarisch. Hiller/Herzer gehen in ihrem einseitigen Vorwort auch darauf ein. Sie schildern, dass dieses vegane Buch ihre Entwicklung der vergangenen Jahre wiederspiegle, da sie "nach vielen Jahren als Vegetarier den entscheidenden, konsequenten Schritt hin zuur veganen Ernährung getan" hätten. Dafür hätten "ethische, gesundheitliche und ökologische Gründe gleichermassen" eine Rolle gespielt (S. 3).
Kein veganes Kochbuch kommt ohne einleitende Worte zum Veganismus aus. Auch bei dieser Kochbuchrezension kann dieser Punkt abgehakt werden. Auf sechs Seiten gehen die Autoren unter anderem darauf ein, was Veganismus bedeutet, und wie sich Veganer vom Vegetarier unterscheiden. Sie gehen auch darauf ein, was Veganer denn so für Menschen seien, und betonen, dass Veganer alles essen dürften - aber eben nicht wollen.
Ich finde es charmant, dass die beiden Autoren auch auf das von Omnivoren oftmals als "missionarisch" betrachtete Gehabe eingehen, und versuchen zu erklären, warum einige Veganer diesen Drang fühlen, auf Tierleid hinzuweisen. Im darauffolgenden Abschnitt führen sie dann entsprechend auch aus, was "falsch" ist am Konsum von Tierprodukten. Der Tonfall, der durchaus sehr erklärend ist, und nicht als gehobener Zeigefinger daherkommt, gefällt mir gut, auch wenn ich nicht ganz sicher bin, ob ich dieser Art von Aufklärung in einem Kochbuch positiv gegenüber stehen soll. Auch die Ausüfhrungen zur Heterogenität der "veganen Szene" finden ihren Platz, was ich wirklich gut finde. Die weiteren vier Seiten erklären, welche Produkte man wie ersetzen kann, wie man vegane Sachen erkennt und die restlichen Aspekte veganer Warenkunde, die für einen Neu-Veggie relevant sind.
Man merkt, dass die beiden Autoren stark von einem ethisch-ökologischen Aspekt her denken und auch so argumentieren. Die gesundheitlichen Aspekte überlassen sie dann jemandem, der fachlich kompetenter ist als sie selber. Sie lassen auf weiteren drei Seiten nämlich Dr. Markus Keller zu Wort kommen. Keller ist Ernährungswissenschaftler und Leiter des Instituts für alternative und nachhaltige Ernährung (IFANE), ebenso Mitvefasser des Standardwerks "Vegetarische Ernährung" vom UTB Verlag. In der Vergangenheit ist er mir vor allem sehr positiv aufgefallen, weil er eine stark wissenschaftlich, rational-logische Betrachtung des Themas Veganismus pflegt. Er kann seine Aussagen begründen, belegen, er kann Studien korrekt interpretiern und einschätzen und er verfällt nicht diesem einseitigen "Vegan ist total gesund, es gibt keine Kritikpunkte daran!!11"-Bias, dem leider soviele naturwissenschaftlich nicht gebildete Veganer verfallen. So brauche ich dann auch nicht zu erwähnen, dass in seinen Ausführungen korrekte Fakten bezüglich B12, Vitamin D, Kalzium und anderen Mikronährstoffen, die der Veganer braucht, zu finden sind.
Ein grosser Pluspunkt ist die Erwähnung von Vitamin B-12-Analoga und der Mythos, in fermentierten Dingen wie Sauerkraut und Tempeh fänden sich genügende Mengen an Vitamin B12. Für ihn ist klar: Um eine Supplementierung kommt man nicht herum. Das gibt einen Anti-Eso, Pro-Wissenschaft Pluspunkt! So wünschte ich mir das für sämtliche Kochbücher. (Das Ox-Kochbuch steht hierbei übrigens stark im generellen Tenor, den auch das Kochen ohne Knochen-Magazin verwendet - das gehört ja auch zum selben Verlag/zur selten Redaktion. Für mich eine der besten und sachlich fundiertesten Informationsquellen zu veganer/vegetarischer Ernährung, dies gibt.)

Das Ox-Kochbuch enthält ungefähr 200 Rezepte. Sie sind aufgegliedert in die üblichen Kategorien wie Salat, Suppen, Snacks, Hauptgerichte, Aufstriche, Süsses. Eine etwas ungewöhnliche Kategorie ist wohl der Unterpunkt "Nachgebautes", in dem Dinge wie Remoulade, Frischkäse, Schmelz zum Überbacken, oder Eiersalat Platz finden. Das ist insofern sympathisch, dass man hier auf einen Blick alle Rezepte vor sich hat, die eventuelle Gelüste nach tierischen Produkten befriedigen können.
Was beim Inhalt des Ox-Kochbuch nicht unerwähnt bleiben darf, ist die spezielle Art und Weise, mit der subtil und ziemlich offensichtlich mit Non-Konformität gespielt wird. Das ist wohl einzigartig für Kochbücher. Selbst Isa Chandra Moskovitz und Terry Hope Romero (Veganomicon) schaffen es mit ihren Off-the-record-Anmerkungen und Anekdoten nicht, die Fülle und Vielfalt im Ox-Kochbuch zu toppen.
Es fängt schon damit an, dass die Rezeptkreationen teilweise sehr lustige, abenteuerliche Namen haben. Da gibt es den "Frühlinxsalat", den man auf derselben Seite wie den "Karbosalat" und den "Highway-Car-Crash-Salad" findet. Eine Suppe ist nicht nur eine Suppe, sondern eine "Rote-Linsen-Kartoffelsuppe mit Aufstrichpotenzial" - und aus der Suppe wird gleich noch ein Zweitrezept für einen superleckeren Aufstrich. Wer Lust auf Chicorée hat, macht doch einfach den "Coco Loco Chicorée" und ergänzt es mit einem "Fränkischen Nazi Goreng". Kichern wird man spätestens beim "Giggle-pot", einem Eintopf mit Kichererbsen. So geht das weiter und weiter und zaubert dem Leser meistens ein tolles Lächeln auf das Gesicht.
Einzigartig sind vermutlich auch die Punk-Einflüsse. Das Buch trägt nicht umsonst den Untertitel "Mehr als 200 vegane Punk-Rezepte". Jedes Rezept wird mit Musikvorschlägen ergänzt. Ich gestehe allerdings, ich habe die Musik dazu nie gehört, weil das nicht mein Musikgeschmack ist. Lustig ist es aber allemal. Die Hinweise und Anekdoten enden aber nicht dort. Auch in die Rezeptanleitungen sind sehr oft lustige Aspekte mit eingebaut. Statt "Nudeln ins kochende Wasser geben" steht da zum Beispiel: "4. Nudeln schon im Wasser? Prima" (S. 87). Statt "Bohnen putzen" steht dann da "Zuerst widmen wir uns den Bohnen. Entweder taut ihr die auf, wie auf der Packung beschrieben, oder ihr habt frische gekauft und habt jetzt die Arbeit damit." (S. 96).
Am allerlustigsten ist der erste Hinweis bei der Rote-Linsen-Suppe: "1. Warte noch mit der Platte, wir beginnen mit Kartoffelschälen, eine Tätigkeit so hässlich wie die Stille selbst. Deshalb kommt die Musik erst später." (S.38) Einzigartig, unique und zum Lachen - das ist das Ox-Kochbuch!
Was dem Buch leider fehlt sind Hinweise zu Allergenen (zb. Gluten und Soja) sowie auch Zeitangaben.

Hummus-Indikator: Ein Hummusrezept ist vorhanden, allerdings ist das Rezept nur 1/3-Spalte lang. Die Autoren wussten vermutlich, wie banal diese Kichererbsenpampe ist, und wie oft es verbreitet wird. Es gibt allerdings Guacamole-Bonuspunkte, ergänzt durch Reiswaffel-Veggiemett (das ist so'n deutsches Ding und war 2013 DER Trend in veganen deutschsprachigen Gruppen...)

Umsetzbarkeit, Zutaten und Aufwand
Die wohl exotischsten Zutaten im Ox-Kochbuch mögen Seitan-Fix und Sojasahne sein. Das steht stellvertretend als Beispiel dafür, wie unaufgeregt die Rezepte mit exotischen Zutaten umgehen. Das Ox-Kochbuch ist von den Zutaten her so simpel gestrickt wie das Buch an sich gestaltet ist. Die Küche des Ox-Kochbuch ist eine Küche für Alternative Menschen, für arme StudentInnen oder das alleinerziehende Elternteil mit knappem Budget.
Ein Grossteil der Rezepte dürfte machbar sein, auch wenn man mitten in der Pampa wohnt, wo es nur einen Discounter gibt. Es wird viel mit frischem Gemüse, mit Hülsenfrüchten und simplem Tofu gekocht. Wenn man kein Seitan erhält, auch kein Problem: Die Autoren präsentieren sogar eine Anleitung, um Seitan aus Seitan Fix selber zu machen und zb. in grösseren Mengen einzufrieren.
Dank dieser zum Grossteil einfachen, schlichten und gemüselastigen Zutaten sind die Rezepte auch zu einem Grossteil sehr einfach und gut umsetzbar. In allen Rezepten, die ich ausprobiert habe, habe ich kein einziges Mal irgendwo einen Fehler entdecken können, geschweige denn eine unklare Ausführung oder auch Zutaten, die irgendwo vorkommen, aber in der Auflistung nicht, oder umgekehrt. Neben den wirklich klar und deutlich geschriebenen Verarbeitungsschritten scheint das Buch auch sehr gut und sehr detailliert redigiert worden zu sein. Das ist wirklich erfrischend und angenehm.
Der Aufwand der Rezepte hält sich in Grenzen. Natürlich gibts Rezepte, die etwas Vorbereitung erfordern, wenn man beispielsweise Dinkelkörner am Vortag einweichen muss, oder Sojaschnetzel in Brühe einlegen soll. Die Autoren geben aber auch immer Altenrativen an, zb. den Schnellkochtopf für den Dinkel, oder Bohnen aus der Dose.
Fehlende Zeitangaben verhindern, dass ich nun genaueres darüber sagen könnte, wie sich die Autoren ihre Rezepte in der Umsetzung vorstellen. Aus meiner Erinnerung aber gabs eigentlich kein Rezept, dass deutlich länger als 30 Minuten gedauert hätte. Ich bin allerdings eine schnelle Schnipplerin.

Nachgekochte Rezepte
Augrund meiner Weight-Watchers-Karriere habe ich mich vor allem auf fettarme, sättigende Rezepte beim Nachkochen beschränkt. Die Kategorie Süsses fiel weitgehend weg. Von mir gut ausgetestet wurden vor allem die Kategorien Salat und Hauptspeisen. Dies geschah alles im Rahmen der Kochbuch-Challenge.
Es gibt für mich nur ein Wort, um das Ox-Kochbuch zu beschreiben: Genial! Ich habe soviele Rezepte nachgekocht, und ein Grossteil davon erhielt die Note Sehr gut. Mehrere Rezepte wurden auch Omnivoren serviert, die sie allesamt als genial bezeichnet haben. Meine Oma beispielsweise schwärmt noch heute vom "Thai-Soja-Schnetz", dass ich ihr zu Nudeln serviert habe. O-Ton: "Das schmeckt wirklich wie echtes Fleisch!".
Die Rezepte zeugen von einer hohen Kochkunst und Lebensmittelkunde der Autoren an sich. Das äusserte sich vor allem dadurch, dass ich eigentlich fast kein Rezept nachwürzen oder verändern musste. Das kommt bei mir eher selten vor - für meinen Gaumen sind Rezepte sehr oft ein wenig zu lasch oder zuwenig gut gewürzt.

Lieblingsrezept: Geschnetzeltes nach Gyros-Art, Thai-Soja-Schnetz, Rote-Linsen-Suppe mit Aufstrichpotenzial

Fazit
Das Ox-Kochbuch war für mich bereits nach einigen wenigen Rezepten ein klarer Kaufempfehlungskandidat. Diese Meinung hält sich bis heute. Wer ein Kochbuch sucht, dass vor Witz und Charme sprüht, dass korrekte und klare Informationen vermittelt, ohne auf B12-Lügen und Mythen hereinzufallen, dessen Rezepte fast immer gelingsicher sind, und dazu auch noch schmecken, wer ein Kochbuch sucht, dass ohne Superfoods und allzu teuren Produkten aus dem Veganversand oder Bioläden auskommt, der ist mit dem Ox-Kochbuch bestens bedient! Neben dem Veganomicon ist dies meine zweite klare Kaufempfehlung, wobei das Ox-Kochbuch den Vorteil hat, in deutscher Sprache als Ursprungssprache geschrieben worden zu sein. Die Veganomicon-Übersetzung ist relativ mies, und englisch muss man auch erstmal können. Zudem gibts im Ox-Kochbuch keine Ami-Produkte, die bei uns meistens nicht so gut erhältlich sind.
Wertung: 5 von 5 Sternen

Cheers!

Rose

Getestete Rezepte
Allzweck-Kartoffelsalat; Black is beautiful-Salat; Bohnensalat Mallorquin; Frühlinxsalat; Krautsalat mit Oliven; Marrokanischer Couscoussalat; Sauerkrautsalat; Fruchtiges Leckerschmeckerdressing ohne Öl; Brunis Linsensuppe; Chinakohlsüppchen; Rote-Linsen-Kartoffelsuppe mit Aufstrichpotential; Curry-Kokos-Suppe mit Tofu; yummi Wirsingsuppe; Töfte Köfte; Geschnetzeltes nach Gyros-Art; Couscous mit Paprika; Fränkisches Nazi-Goreng; Sauerkrautauflauf mit Kartoffelpüree; Tofu-Linsen-Bolognese; Körnerzeugs mit Paprikagemüse; Giggle-pot; Turbopfanne mit Mangold; Kräutergnocchi; oven baked white beans; Seitan selbst gemacht; Thai-Soja-Schnetz

Dienstag, 2. Februar 2016

Bullshitfreie Kochbuchrezension: "Vegan Planet" - Robin Robertson (Vol. 3)

Datum der Erstpublikation: 26. August 2014

Generelle Infos
Vegan Planet - 400 Irresistible Recipes with Fantastic Flavors from Home and Around the WorldAutorin: Robin Robertson, Vorwort von Neal Barnard (M.D.)
Erschienen: 2003 Preis: ca. 16 Euro
Sprache: Englisch (keine deutsche Übersetzung vorhanden)
Verlag: Cliff's Notes Das Buch befindet sich seit September 2012 in meinem Besitz

Grafik, Design und generelles Aussehen
Vegan Planet ist ein Monster! - ein toller erster Satz, aber es ist mir wirklich nichts eingefallen, was noch zutreffender wäre. Das Buch enthält geschlagene 400 Rezepte. Dementsprechend dick ist das Buch auch, selbst als Taschenbuchausgabe, nämlich fast 4 Zentimeter dick. Das Buch muss deswegen vermutlich auch als Taschenbuch daherkommen. Ein gebundenes Buch wäre schlicht und einfach zu unhandlich und zu schwer.
Vom Format her ist das Buch so breit wie ein A-4-Format, aber weniger hoch. Durch diese Masse lässt sich das Buch auch aufklappen und bleibt bei den meisten Seiten auch einfach so liegen, ohne dass die Seite besonders beschwert werden müssten. Einzig die vorderen und hinteren Kapitel zeigen das "Seiten-Zuklapp-Phänomen". Hier ist es angeraten, eine grosse Dose Hülsenfrüchte zum Beschweren bereitzustellen.
Ein Nachteil der Machart des Buches ist es, dass zumindest bei meinem Exemplar die Einbandseite mittlerweile recht nach oben gebogen ist. Das Buch bleibt nicht wirklich in Form - durch seine Verarbeitung ist es aber auch nicht derart "elegant", dass man Angst hat, es auf den minimal dreckigen Tisch in der Küche zu legen. Ein Kochbuch durch und durch.

In "Vegan Planet" hat man konsequent auf sämliche Fotografien verzichtet, es gibt beispielsweise keine gesonderten Teil mit Fotos in der Mitte wie beim Veganomicon. Mich stört das nicht gross - für manche Leser, vor allem nicht-englischsprachige oder Leute, die mit dem englischen noch etwas Mühe haben, kann das aber durchaus ein Problem darstellen.
Das Design ist durchaus solide. Die Titel sind etwas schnörkelig gehalten, ansonsten ist die Schrift aber klar und deutlich. Die Zutatenliste ist deutlich mit anderer Farbe von den Anleitungen differenzierbar, weitere Infos findet man in beige hinterlegten Kästen ("Did you know") oder in weisser Schrift auf grünem Hintergrund in Boxen, kleine Illustrationen findet man auf jeder dritten Seite, die das Buch trotz fehlender Fotografien etwas sympathischer wirken lassen. Pro Seite findet sich meistens nur ein Rezept, selten zwei.


Inhalt
Kein veganes Kochbuch ohne Einleitung, so scheint es mir. Auch Vegan Planet kommt nicht ohne Einleitung aus. Es wundert mich eigentlich nicht. Veganismus ist insofern auch eine Ernährung des Verzichts, des Weglassens, eine Ernährung, die - wenn nicht Rechtfertigung - doch wenigstens eine Erklärung benötigt, die gleichzeitig als Anleitung dient. In Robinsons Monstermachwerk nehmen diese Erklärungen und Anleitungen die ersten 33 Seiten ein. Es ist also eine recht angenehmer Umfang, der auf Informationen entfällt. Der Mediziner Barnard darf auch hier ein Vorwort schreiben.
"Vegan Basics" nennt sich dann der Teil, der anfängt mit einer Erklärung, was Veganismus ist, und welche Gedanken dahinterstecken (kurz und knapp formuliert in zwei Seiten), kommt Robinson auf eine "Healthy Vegan Diet" zu sprechen. (Mit "Diet" meint Robinson nicht "Diät" sondern "Ernährungsform")
Hier geht Robinson vor allem auf gewisse Stoffe ein, die dem Veganer gemäss Mainstreamideen fehlen: Aminosäuren, Eiweiss, Kalzium, Eisen. Robinson erwähnt auch B12: B12 sei in vielen angereicherten Produkten bereits enthalten sei (zb. Säften), und dass der Mensch relativ wenig davon brauche. Ihre Schlussfolgerung lautet, dass man sich also keine Sorgen mache müsse. Sie geht hier nicht unbedingt in die "Pflanzen enthalten B12"-Falle, aber ihre Schlussfolgerung bedingt, dass man genügend Produkte zu sich nimmt, denen künstlich B12 zugesetzt wurde. Das ist nicht in jedem Falle so, und viele Veganer legen ja auch Wert drauf, solche verarbeiteten Produkte wegzulassen.
(Anmerkung 2016: Es kann auch sein, dass in den USA sehr viel mehr Convenience Food mit B12 angereichert wird. Wenn dies der Fall sein sollte, in Kombination mit dem Fakt, dass in den USA mehr Convenience Food und angereicherte Produkte konsumiert werden, kann diese Aussage durchaus vorsichtig als zutreffend beschrieben werden. Für europäische Leser muss gesagt werden, dass eine ausreichende Zufuhr von B12 durch Lebensmittel meistens nicht gegeben ist, und dass es auf jeden Fall ratsam ist, B12 zu supplementieren.)

Angenehm ist es, dass die einzelnen Hinweise höchstens einen Abschnitt lang sind. Auch hier würde ich sagen, hält sich Robinson an das Credo: In der Kürze liegt die Würze. Vier Seiten zu generellen Infos und der vegane Ernährung finde ich sehr angenehm von der Länge her. Gemessen daran, dass das Buch derart dick ist, hätte man auch noch etwas mehr schreiben können. Die restlichen Seiten sind - wie der Kapitelname schon sagt - vegane Basics. Wie ersetzte ich Eier, Fleisch, Butter, Milch, welche Basics braucht's für die vegane Ernährung, wie sollte sich ein Vorratschrank gestalten, wie zur Hölle bereitet man eigentlich Tofu zu?
Besonders toll finde ich die Auflistung verschiedener Mehlsorten, von Getreidemehlen bis hin zu Sojamehlen ist hier alles dabei, auch die verschiedenen amerikanischen Bezeichnungen wie bsp. "Unbleached all-purpose flour", so dass der unwissende Europäer nachschlagen kann, welches europäische Produkt dem am ehesten entspricht.
Die 400 Rezepte, die das Buch bietet, gliedern sich wie in keinem anderen Rezeptbuch in entsprechende Kapitel. Es sind fast 20 Kapitel, was ich als sehr angenehm empfinde. Das bedeutet, dass es für kein Kapitel mehr als 30 Rezepte gibt. Was die Vielfalt angeht, kann man sagen, dass Robertson wirklich umfassend alle möglichen Ereignisse und Tageszeiträume mit ihren unterschiedlichen Essritualen und Gewohnheiten abdeckt. Angenehm finde ich, dass die Desserts nicht soviel Platz einnehmen. Ein Kapitel mit ungefähr 25 Rezepten finde ich angemessen.
Kapitel umfassen einerseits z.b. Essen für Eventualitäten (Häppchen, Rezepte zum Grillen), oder eine bestimmte Mahlzeitenart (Suppen, Salate), manchmal steht aber auch eine Nahrungsmittelkategorie im Mittelpunkt (Brote, Pizzen, Hülsenfrüchte). Man findet eine Menge Basic-Rezepte, sogar bis hin zu drei Sorten Gemüsebrühe, die man selber machen kann. Das überrascht nicht wirklich, ist das Buch doch wirklich sehr, sehr umfassend. Gemessen an der Gesamtmenge der Rezepte nehmen die Basics eine angemessene Zahl Rezepte für sich ein. Gerade so, dass man alles weiss, was man wissen sollte, aber nicht so, dass man das Gefühl hat, mit Basics wurde die Rezeptzahl hochgepusht. (Dann schon eher mit den umfangreichen Getränk"rezepten" am Ende des Buches.)
Hinweise bezüglich Soja- oder Glutenfreiheit oder sonstige Indikatoren zur Sortierung der Rezepte abseits der Kapitel fehlen allerdings komplett. Mir macht das nicht viel aus, aber ich weiss, dass das durchaus Kategorien sein können für andere begeisterte Köche.

Hummus-Indikator: Ein Hummus-Rezept auf 400 Rezepte - mehr als verzeihbar! Dafür gibts noch den Baba-Ghanoush- und den Guacamole Zusatzpunkt. Es könnte vermutlich gar nicht anders gehen bei so einem Monsterbuch.


Umsetzbarkeit, Zutaten und Aufwand
So schlicht das Buch daherkommt, so schlicht ist auch ein Grossteil der Rezepte. Generell werden sehr selten Zutaten verwendet, die man nur schwer besorgen kann (oder wenn, werden Alternativen angegeben). Die ab und an erfolgte Einsetzung von Fertigprodukten wie Sojawürstchen kann man da gut verzeihen, man muss annehmen, dass solche Produkte im Amiland einfach viel verbreiteter sind.
Für dieses Kochbuch war ich kein einziges Mal am Suchen, kein einziges Mal habe ich ein Rezept überspringen müssen, weil eine Zutat nicht erhältlich war. Die Rezepte sind auch generell gut beschrieben. Ich habe kein einziges Mal notiert, dass ein Rezept gar nicht aufgegangen ist, oder dass Zutaten in den Arbeitschritten vergessen gehen, dass Dinge nicht funktionieren und so weiter. Bei dieser Riesenfülle an Rezepten ist das ein Zeichen für eine wirklich gute Redaktion bzw. ein sehr gutes Lektorat, und auch eine fundierte Köchin, von der die Rezepte stammen.
Generell verwendet Robertson eher wenige Zutaten. Die Zutatenliste ist selten länger als 10 Zutaten, bietet oft auch Alternativen oder die Möglichkeit, Dinge zu ersetzen oder wegzulassen. Das macht die Rezepte sehr angenehm nachzukochen und führt auch dazu, dass die Rezepte zeitlich selten länger als 30 bis 40 Minuten brauchen. Vieles ist schnell nachgekocht und schmackhafte, solide Kost.

Ein Kritipunkt an dieser Schlichtheit umfasst die deutlich nicht ausreichende Würze. Das ist der Nachteil an dieser tollen Umsetzbarkeit. Viele Rezepte sind in ihrer Originalform zumindest für meinen Gaumen relativ fade. Die Rezepte bieten also eine Basis, die man je nach Geschmack noch ergänzen kann und in vielen Fällen auch muss.

Robertson kocht in den meisten Fällen für vier Personen, bei Aufstrichen oder dergleichen meistens "2 Cups". Hier punktet Robertson. Leider vermisst ein Hobbykoch zurecht übersichtliche Zeitangaben - ein dicker Minuspunkt.
Generell lässt sich das Buch sehr gut als Kochbuch für Anfänger bezeichnen. Und hier meine ich nicht Anfänger der veganen Küche, sondern generell Kochanfänger. Die Anweisungen sind klar und deutlich, nicht überladen, die Zutatenlisten übersichtlich und die Rezepte sind eher auf der einfacheren Seite gehalten. Ich würde dieses Buch als Geschenk für solche Empfänger durchaus in Betracht ziehen (man muss natürlich Englisch beherrschen.)

Nachgekochte Rezepte

Dieses Kochbuch ist vermutlich das Kochbuch, aus dem ich am meisten nachgekocht habe. Bei 400 Rezepten ist das aber auch kein Wunder. Bereits vor meiner Kochbuchchallenge hatte ich einiges nachgekocht, ein paar Sachen vor allem für das Weihnachtsbuffet bei meiner Oma 2012. Auch 2013 habe ich einiges beigesteuert. Die Sachen sind wirklich praktisch. Ich habe mich - aufgrund meiner Weight-Watchers-Karriere - eher auf die herzhaften und fettarmen Sachen beschränkt, und die Dessertkategorie z.B. vollständig weggelassen. Dennoch konnte ich aus fast jedem Kapitel irgendetwas austesten, was mich wirklich gefreut hat.
Die Rezepte, die ich getestet habe, haben grösstenteils ein "Gut" in meiner Bewertung erhalten, ab und an auch ein "Okay" (Note 3 von 5). Das ist vermutlich der Vor- und Nachteil von Robertsons Buch an sich: Einerseits sind die Rezepte solide und schmackhaft, aber andererseits auch - gerade wegen der fehlenden Würze teilweise - ein wenig zu solide und zu einfach. Mir hat oft der letzte Pepp gefehlt, der ein Rezept über alle anderen gehoben hätte. So fällt es mir auch schwer, ein deutliches Lieblingsrezept zu bestimmen.

Vegan Planet ist ein solides Grundlagenbuch. Wer nicht viel Geld hat, und ein gutes Buch sucht, dass fast alle Bereiche des Lebens abdeckt, ist mit diesem Buch sehr gut beraten. Man muss einfach wagen, den Gewürzschrank noch etwas mehr aufzumachen und die Rezepte auch ein wenig zu ergänzen oder abzuwandeln. Wer allerdings hochstehende, fancy vegane Küche erwartet, der ist bei Robertson falsch.

Lieblingsrezept: Kein spezifisches Rezept - aber dafür die Kombo aus Bohnen und Salbei, die ich bisher nicht kannte, die mir aber sehr gut gemundet hat.


Fazit
Solides, sehr umfassendes Kochbuch - Vegane Rezepte für alle möglichen (und unmöglichen Situationen). Hier findet jeder fast alles, was das Herz begehrt. Eine sehr gute Basis für eine vegane Kochbuchbibliothek. Die Rezepte sind manchmal allerdings etwas zu schlicht und lassen an Finesse fehlen. Deswegen bekommt das Buch von mir vier von fünf Sternen!
Nachtrag 2016: Mittlerweile bin ich im Besitz vion einigen Kochbüchern mehr. Die relativ fade Zubereitung vieler von Robinsons Rezepten bewegt mich, aus der heutigen Perspektive einen Abzug zu machen, und mein Rating dieses Buches von 4 auf 3 herunterzustufen. Würze ist nun einmal ein Qualitätsmerkmal und ein Zeichen, dass eine Köchin etwas von ihrem Fach oder von ihrem Hobby versteht.

Cheers!
Rose

Getestete Rezepte
Spinach-Mushroom Phyllo Triangles; Lemon Risotto with Peas and Scallions; Tahini Rotini with Broccoli and Lemon; Marjoram-Scented Artichocke and Chickpea Stew; Rustic Peasant Loaf with Black Olives and Sun-Dried Tomatoes; Gazpacho verde; Szechuan Hot and Sour Soup; Lentil Soup with Chard and Orzo; Thyme-Scented Wild Mushroom Bisque; Winter-Vegetable Bisque; Sassy Vegetable Gumbo; Ribollita; Barley Soup with Porcinis and Dill; Gold and Black Bean Salad; Asian Cole Slaw; Springy Tarragon Pasta Salad with Roasted Asparagus and Baked Tofu; Cumin-Spiced Wagon Wheels with Jalapeno Pesto; Black Bean Sauce with Jalapenos and Cilantro; Barley Risotto with Wild Mushrooms and Fresh Herbs;Saffron Couscous Cake with Spring Vegetable Sauté; Quinoa and Pan-Fried Corn with Orange Zest and Chives; Brown Rice and Chickpeas with Broccoli Rabe; Linguine and Oyster Mushrooms with Gremolata; Tuscan-Style Pasta with Chickpeas, Zucchini, and Rosemary; Fettucine with Red Lentil Sauce; Linguine with Sage and White Bean Sauce; Three-Flavor Pancit; Tofu and Vegetable Lo Mein; Buckwheat with Buttons and Bow Ties; Middle Eastern Lentils and Rice with Caramelized Shallots; Tuscan White Beans with Garlic and Sage; White Bean Cassoulet; Mediterranean Bean Ragout; Wheat-Meat Stroganoff; Tempeh Goulash; Tempeh and Red Bean Jambalaya with Chipotle Chiles; Tofu Vindaloo; Very Veggie Chili; Roasted Root Vegetable Chili; Anasazi Chili with Quinoa; Orange and Thyme-Scented White Bean and "Sausage" Chili; Shredded Seitan with Green Beans and Shallots; Mushroom-Soy Pastitsio; Tomato-Simmered Cabbage Packets Stuffed with Barley and Tempeh; Polenta-Stuffed Red Bell Peppers; Great Grain and Vegetable Burgers; Cool Cucumber Soup with Cilantro and Lime; Penne Puttanesca; Pappardelle Cacciatore; Curried Lentils with Carrots and Peas; West Coast Chili;  Potato Bread with Chives